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Filmkritik: Vor 12 Jahren erschien der Animationsfilm „Ernest & Célestine“ (2022, Frankreich/Luxemburg) von Stéphane Aubier, Vincent Patar und Benjamin Renner und begeisterte mit seiner gelungenen Buchadaption. Zehn Jahre später entstand aus der Hand von Julien Chheng und Jean-Christophe Roger der „Ernest & Célestine: Die Reise ins Land der Musik“, der Maus und Bär wieder auf die Leinwände holt, aber diesmal einen anderen Schwerpunkt in der Geschichte setzt.
Nach dem Winterschlaf erwacht der Bär Ernest noch etwas grummelig, als dann noch seine Mitbewohnerin Célestine, eine kleine Maus, seine Geige zerbricht, scheint das kein gutes Jahr zu werden. Da nur der berühmte Geigenbauer Octavius, der in Charabia, dem Heimatland von Ernest lebt, diese reparieren kann, aber er dorthin nie wieder zurückkehren will, hat er sich gedanklich schon von seiner Geige verabschiedet. Doch Célestine kann sich damit nicht abfinden und macht sich auf den Weg in das weit entfernte Land. Ernest reist ihr widerwillig nach, um dann vor Ort festzustellen, dass alles anders geworden ist. Früher war das Land mit Musik erfüllt – jetzt wurde diese komplett verboten und so können sie auch Octavius nicht finden.
Die Kinderbuchreihe der belgischen Autorin Gabrielle Vincent umfasst fünf Bücher, die zwischen 2008 und 2013 entstanden sind. Der erste Spielfilm „Ernest & Celestine“ von Stéphane Aubier, Vincent Patar und Benjamin Renner, der es im Jahr 2012 leider nicht in die deutschen Kinos geschafft hat, erzählt das Kennenlernen dieser zwei sehr ungleichen Freunde. Dabei kann wie in den Büchern eine Analogie zwischen Eltern und Kindern ziehen. Doch der Film ist vor allem ein wohltuendes Plädoyer für Toleranz, Offenheit und Freundschaft. Als Nächstes folgte der Kurzfilm „Ernest et Célestine en hiver“ (2017). Der zweite Lang-Spielfilm der beiden Filmemacher Julien Chheng und Jean-Christophe Roger verlagert seine Erzählung auf gesellschaftsrelevante und politische Themen. Denn Ernests Heimatland Charabia, das eine fiktive Zusammenstellung vieler (ost-)europäischer Länder ist, unterliegt vielen Regeln, die Menschen dazu zwingt, in den Untergrund zu gehen und dort Widerstand zu leisten. Es geht um Verfolgte, Verhaftungen und zu strenge, abstruse Regelungen. All das wird aber gut verständlich für ein junges Publikum aufbereitet, so dass sie sich auch recht komplexen und schwierigen Themen auf diese Weise wunderbar annähern kann.
Umgesetzt ist das in wunderschönen 2D-Animationen. Dabei bleibt der Film der Vorlage und seinem Vorgänger treu und bezaubert mit einer tollen Fantasiestadt, die viele Berge und Gondeln besitzt. Darin tummeln sich viele Bären, die alle auf liebenswerte Weise Ernest ähnlich sehen. Die Filmaufnahmen verströmen, egal wie düster die Lage der Helden ist, Wärme und Sommergefühle. Denn alles ist lichtdurchflutet und wirkt leicht. Wie auch in dem ersten Film spielt Musik eine tragende Rolle. Komponiert von Vincent Courtois, greift sie neue Klänge auf und findet stets die richtigen, oft schwungvollen Songs für die Szenen. So wird man als Publikum von den entzückenden Charakteren, den schönen Bildern und der in die Beine gehende Musik davongetragen.
Fazit: „Ernest & Célestine: Die Reise ins Land der Musik“ ist ein Animationsfilm für ein bereits junges Publikum. Nach einer Buchreihe von Gabrielle Vincent bringt uns der zweiten Langfilm von dem Bären und der Maus komplexe, politische Themen näher. Doch stets wird dabei Humor, Abenteuersinn und viel Leichtigkeit bewahrt, so dass man hier über die schönen Bilder und die schwungvolle Musik einen gelungenen Zugang zu diesen Themen für Kinder bekommt.
Bewertung: 7,5/10
Kinostart war am 3. August 2023 / Im Stream bei WOW und Sky
Trailer zum Film „Ernest & Célestine: Die Reise ins Land der Musik“:
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Quellen:
- Falk Straub, ‚Ernest & Célestine: Die Reise ins Land der Musik (2022)‘, kino-zeit.de, 2023
- Frank Arnold, ‚Kritik zu Ernest & Celestine – Die Reise ins Land der Musik‘, epd-film.de, 2023
- Oliver Armknecht, ‚Ernest & Célestine: Die Reise ins Land der Musik‘, film-rezensionen.de, 2023
- Wikipedia-Artikel über den Film „Ernest & Célestine“
- Dub Talk Presents: Summer at the Movies (Season 8) – Ernest & Celestine – A Trip to Gibberitia, Podcast Dub Talk, 19.07.2024.
- Guests: Ernest & Celestine: A Trip to Gibberitia, Directors Jean-Christophe Roger & Julien Cheng, Podcast LCJ Q&A Podcast, 28.08.2023.