“Es war einmal in Deutschland” (2017)

© imdb

Filmkritik: Es fühlt sich so an, als ob alle historisch relevanten Themen des 20. Jahrhunderts aus Deutschland schon verfilmt wurden. Besonders über den Nationalsozialismus und über die DDR wurde viel auf die Leinwand gebracht. Aber ab und zu überraschen deutsche Produktionen mit unbekannteren Themen wie das Drama “Elser” (2015). Was den neuen Film von Sam Garbarski – “Es war einmal in Deutschland” (Deutschland, Luxemburg, Belgien, 2017) – aber besonders macht, ist nicht nur das weitgehend unbekannte Thema, sondern die Gestaltung eines ernsten Themas als Komödie.

David Bermann (Moritz Bleibtreu) trifft 1946 in Frankfurt auf andere überlebende Juden, die alle den Traum davon teilen, nach Amerika auszuwandern. Zusammen mit Holzmann (Mark Ivanir) und weiteren Freunden eröffnet Bermann ein Wäschegeschäft und bringt diese auf kreative Weise unter die deutschen Hausfrauen. Doch nicht nur die Geldbeschaffung macht Bermann Sorgen, sondern auch der Vorwurf mit den Nazis kooperiert zu haben. Deswegen wird er häufig von der Special Agentin Sara Simon (Antje Traue) befragt. So liegen Bermann noch viele Steine auf seinem Weg nach Amerika.

Die ursprüngliche Geschichte stammt aus der Feder von Michel Bergmann, der dafür zusammen mit Sam Garbarski seine beiden semi-autobiographischen Romane “Die Teilacher” und “Machloikes” in einem Drehbuch zusammenfasste. Die recht freie Adaption wählte bestimmte Aspekte beider Geschichte aus und vermischt sie stimmig. Bergmann wollte mit dieser Geschichte vor allem seinem Onkel David ein Denkmal setzen, dieser war der “König” der Teilacher (jüdischer Vertreter im Einzelhandel) und liebte es Witze zu erzählen. Die Figur des Holzmann ist zusätzlich an Bergmanns Vater angelehnt. Was den Autor zusätzlich an dem Thema reizte, war die Tatsache, dass es nichts zu lesen und nichts zu sehen gab über jüdische Holocaustopfer, die nach Deutschland zurückgekehrt sind. Zudem beschäftigte er sich mit der Frage, was manche Juden veranlasste, in diesem Land zu bleiben. Die Bücher und der Film geben keine Antwort darauf, regen aber zum Nachdenken und Reflektieren über Identität und deutsche Geschichte an. Für das Drehbuch wurden die Ereignisse der Bücher auf zwei Jahre zusammengefasst und Figuren wie die Agentin Simon wurden hinzugefügt. Wie auch in den Büchern war den Filmemachern die Balance zwischen bewegenden Szenen und Humor sehr wichtig. Das ausgewählte Ensemble trägt viel dazu bei. Vor allem die Besetzung der Teilacher ist bis in die kleinste Nebenrollen gut gelungen und sie schaffen es mit ihren verschiedenen jiddischen Dialekten zu überzeugen. Damit transportieren diese Figuren den meisten Humor und auch die bewegendsten Momente. Moritz Bleibtreu in der Hauptrolle spielt, wie er es üblicherweise in Komödienrollen tut. Ob man diese Besetzung gut findet, hängt wohl vom Zuschauer ab. Er passt sich aber der verschmitzten Rolle gut an und man kann ihm gut den Lebemann, wenn auch nicht den KZ-Häftling, abnehmen. Formal kann der Film ebenfalls überzeugen. Die damalige Zeit wurde gut und stimmig eingefangen. Obwohl es durch seine begrenzte Lokalisierung etwas Märchenhaftes und teilweise Kulissenhaftes besitzt. Im Gesamten kann der Spielfilm “Es war einmal in Deutschland” gut unterhalten und ein paar Geschichtslücken füllen.

Fazit: Der deutsche Film “Es war einmal in Deutschland” erzählt ein unbekanntes Stück deutsche Geschichte, aber dies nicht mit der üblichen deutschen Schwermut, sondern mit viel Humor. So bewegt sich die Geschichte trotz ihrer realen Hintergründe und mancher Dramaelemente in einem märchenhaften Raum. Formal gut gelungen und solide besetzt ist der Film unterhaltsame Kost, die vielleicht das ein oder andere noch zum Geschichtsbild hinzusteuern kann.

Bewertung: 7/10

Kinostart: 6. April 2017

geschrieben von Doreen Matthei

Quelle: Pressematerial von X-Verleih

 

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