„French Connection – Brennpunkt Brooklyn“ (1971)

1972 / 44. Oscarverleihung / 8 Nominierungen / 5 Auszeichnungen 

Filmkritik: Auf der 44. Oscarverleihung wurde der Cop-Film „French Connection – Brennpunkt Brooklyn“ (OT: „The French Connection“, USA,1971) mit acht Nominierungen bedacht und gab so dem Straßenkrimi mit seiner rauen Mentalität Aufschwung. Er konnte ganze fünf Trophäen auf der am 10. April 1972 stattfindenden Verleihung gewinnen und bescherte dem Regisseur William Friedkin seinen einzigen Oscar. Es war eine große Überraschung, dass er auch den Oscar als ‚Bester Film‘ gewann. Denn der Film, der viel auf Improvisation setzte, ist kein künstlerisch wertvoller Film, sondern pure Unterhaltung. Trotzdem konnte er den Favoriten „Uhrwerk Orange“ von Stanley Kubrick und die anderen drei Konkurrenten („Anatevka“, „Die letzte Vorstellung“ und „Nikolaus und Alexandra“) ausstechen. 

Gene Hackman

Im rauen New York der 70er Jahre haben sich die Polizisten Jimmy „Popeye“ Doyle (Gene Hackman) und Buddy „Cloudy“ Russo (Roy Scheider) ihre eigenen Gesetze geschrieben, wie sie mit den Kriminellen auf den Straßen umgehen. Dazu gehört ein härterer Umgangston und auch vor Gewalt schrecken sie nicht zurück. Zufällig kommen die beiden Drogenfahnder dem französischen Drogen-Tycoon Alain Charnier (Fernando Rey) auf die Spur, der gedenkt, sich selbst, seine Frau, sowie eine Menge Heroin aus Marseille einzuschiffen. Bei ihrer Beschattung bleiben sie nicht lange unentdeckt, so dass irgendwann der Auftragsmörder Nicoli (Marcel Bozzuffi) an ihren Fersen klebt. Ein Katz-und-Maus-Spiel beginnt, bei dem die Rollenverteilung nicht immer klar ist.

Auch dieser Gewinner des Oscars für den ‚Besten Film‘ beruht auf einer literarischen Vorlage, dem Roman „The French Connection“ (1969) von Robin Moore (1925-2008). Dieser stützte sich selbst auf einen Tatsachenbericht der beiden Detectives Eddie Egan (1930-1995) und Sonny Grosso (1930-2020), in dem diese schildern, wie sie zufällig einen Heroinschmuggel von immensem Wert aufgedeckt haben. Der Drehbuchautor Ernest Tidyman (1928-1984) adaptierte den semi-dokumentarischen Roman und der Regisseur bezog die beide Detektive selbst als Berater für den Film ein. Eddie Egan wurde später bei der Polizei gänzlich entlassen und arbeitete von da an nur noch als Berater für Polizeifilme. Zudem wurde die Arbeit von der New Yorker Polizei unterstützt. So konnte der Regisseur William Friedkin (*1965) einige Polizisten wochenlang bei ihrer Arbeit begleiten. Herausgekommen ist ein düsterer, pessimistischer Polizeifilm, dessen Dialoge wie direkt vom Mund der Polizisten im Reallife gesprochen wirken oder gar improvisiert sind. Tidyman erhielt dafür den Oscar für das ‚Beste adaptierte Drehbuch‘. Zusammen mit Filmen wie „Dirty Harry“ (1971) von Don Siegel und „Bullitt“ (1968) von Peter Yates wurde hier in den 70er Jahren eine Renaissance dieser Art Filme eingeleitet, die den Polizeiapparat als korrupt und Polizisten nicht besser als Verbrecher darstellten. So ist „Brennpunkt Brooklyn“ das lebendige Abbild eines Straßenpolizistenfilms, in dem die Grenzen verwischen und die Cops meist zu weit schäbigeren Methoden greifen, als die Gauner selbst. Natürlich kommt man dabei nicht um gewisse Stereotypen herum und das merkt man dem Film, vor allem aus heutiger Sicht betrachtet, an. Auch birgt das Drehbuch, was nur lose einem roten Faden folgt und sich wie die Detektive selbst mehr treiben lässt, zu wenig an Spannung. Zudem verliert man als Zuschauer bei der Inszenierung, die viel aus Namensnennungen besteht, den Überblick und leider auch das Interesse. Trotzdem leistete der Film einen wesentlichen Beitrag dazu, den dreckigen Polizeifilm wieder auf den Leinwänden zu etablieren und damit einem neuen Genre dem Weg freizuräumen.

Die Inszenierung aus der Hand von William Friedkin passt sich wunderbar diesem neuen Genre an. Für die Gestaltung des Films galt zum einen ein hoher Authentizitätsanspruch, der einhergeht mit einer betonten Kunstlosigkeit. Zum anderen war das Credo der Improvisation wichtig. Das führte dazu, dass der Film einen fast dokumentarischen Stil besitzt, der dadurch unterstützt wird, dass es keine aufwändige Ausleuchtung oder Ausstattung gab und an Originalschauplätzen in Manhattan und Brooklyn auch bei Minusgraden gedreht wurde. Dabei wurde im Vorfeld ohne Kameramann die Einstellungen geprobt, so dass sich dieser beim Drehen erst seinen Fokuspunkt setzen musste. Nach spätestens zwei Takes waren die Szenen abgedreht und für eine größere Flexibilität wurde hier vor allem mit Handkameras gearbeitet. Auch beim Sound hatte die Authentizität Vorrang, so wird die Musik nur spärlich eingesetzt und dem Sounddesign mehr Platz eingeräumt. Da ist es nur konsequent, dass Kamera und Ton für den Oscar nominiert waren, aber nur Gerald B. Greenberg erhielt den Oscar für den ‚Besten Schnitt‘. Dieser zeichnete sich dafür verantwortlich, dass die Bilder durch die abgehackt zusammengefügten Szenen ihren ruppigen, temporeichen Charakter bekamen. Der Schnitt sowie die Handkamera sollten das Wirrwarr der Stadt betonen und im Idealfall die Desorientierung der Zuschauer verstärken. Sein Tempo ist ein Hauptkriterium, warum dieser Film immer noch in vielen Bestenlisten zu finden ist. Vor allem die achtminütige Verfolgungsjagd, während der Popeye einer Hochbahn über ihm mit dem Auto nachjagt, wird immer noch im gleichen Atemzug mit der berühmtesten Verfolgungsjagd der Filmgeschichte aus „Bullit“ (1969) erwähnt. Das Atemberaubende an dieser Szene hier ist, dass diese im echten Straßenverkehr, ohne Absperrung und bei 90 Meilen pro Stunde gedreht wurde. Diese waghalsige Aktion brachte dem Film seinen großen Moment, wirkt aber vor allem nur, wenn man dieses Hintergrundwissen hat. Denn im Allgemeinen, was damals neu und zu einer konsequenten Bildästhetik führte, ist er für heutige Sehgewohnheiten bereits altbacken und leider geht durch die zerfaserte Story und die abgehackte Bildsprache viel an Spannung verloren.

Der Regisseur William Friedkin, geboren 1935 in Chicago, hatte mit „Brennpunkt Brooklyn“ seinen Durchbruch, nachdem er sich von der Poststelle eines Chicagoer Lokalsender zu Live-Fernsehsendungen und Dokumentarfilmen hochgearbeitet hatte. Nur kurze Zeit nach dem Polizeifilm landete er mit „Der Exorzist“ (1973) einen zeitlosen Horror-Klassiker, der sich für immer ins allgemeine Filmgedächtnis eingebrannt hat. Umso schwieriger war es danach mit Filmen wie „Leben und Sterben in L.A.“ (1985), „Jade“ (1995) und „Die Stunde des Jägers“ (2003) noch Erfolge zu erreichen. Der nächste Kassenmagnet wurde erst wieder die restaurierte Fassung von „Der Exorzist“, der im Jahr 2000 die Zuschauer in die Kinos lockte. Im Allgemeinen besaß der Regisseur einen schlechten Ruf, so wie William Wyler („Mrs. Miniver“ (1942), „Ben Hur“ (1959)) aufgrund seines perfektionistischen Drangs. Oft ließ er Darsteller Einstellungen wiederholen. Der Erzählung nach passierte das auch bei „Brennpunkt Brooklyn“, so dass Hackman seinem Schauspielerkollegen in der Folterszene dann wirklich einfach ins Gesicht schlug, um die Authentizität zu erlangen, die sich Friedkin wünschte. Dass der Polizeifilm und der berühmte Horrorklassiker wirklich aus einer Hand stammen, lässt sich als Laie schwer ausmachen, da er sich in seiner Inszenierung der Geschichte sehr gut anpasst. Hier lebt der Film von realistischen, spontanen Bildern sowie von belebten authentischen, teils improvisierten Dialogen. Man möchte fast von einem lockeren Regiestil sprechen. Dafür erhielt er auf der Oscarverleihung auch die Trophäe für die ‚Beste Regie‘, welche er nicht noch einmal erhalten sollte, obwohl er auch mit „Der Exorzist“ nominiert wurde, aber gegen „Der Clou“ von George Roy Hill keine Chance hatte, wie auch in der Kategorie ‚Bester Film‘.              

Marcel Bozzuffi

Für die Hauptrolle waren im Vorfeld der ‚New York Times‘-Kolumnist Jimmy Breslin und die Schauspieler Burt Lancaster, James Caan und Steve McQueen vorgesehen, die aber alle ablehnten. So kam man auf Gene Hackman (*1930), der hiermit, so wie Friedkin selbst, seinen Durchbruch vor allem als Charakterdarsteller feiern konnte. Bis heute gehört Hackman zu den wenigen Schauspielern neben Jack Lemmon, Jack Nicholson, Robert DeNiro, Kevin Spacey und Denzel Washington, die in ihrer Karriere sowohl einen Oscar als ‚Bester Hauptdarsteller‘ und ‚Bester Nebendarsteller‘ erhielten. Den zweiten Oscar erhielt Gene Hackman für Clint Eastwoods „Erbarmungslos“ (1992), der mitten in seiner Erfolgskarriere lag, in der er u.a. auch „Superman“ (1978) gedreht hat, bevor er 2004 offiziell seine Schauspielerkarriere beendete. Begonnen hat alles nach einem Schulabbruch und einem Militärdienst in den 1960er Jahren. Anfänglich wollte die Karriere nicht so richtig anrollen und so lebte er zusammen mit seinen Schauspielerkollegen Robert Duvall und Dustin Hoffman eine Zeit lang in einer WG. Erst „French Connection – Brennpunkt Brooklyn”, brachte ihm den Durchbruch. Der mit nur 1,8 Millionen Dollar budgetierte Independent-Film machte ihn bekannt. Was auch an der authentischen Auslegung der Rolle lag. Zusammen mit Roy Scheider (bekannt aus „Der Marathon-Mann“ (1976), „All that Jazz“ (1979) und der Serie „SeaQuest“ (1993-1995)), der als ‚Bester Nebendarsteller‘ für diesen Film nominiert war, begleitete Hackman zur Vorbereitung einen Monat lang den Polizisten Egan. Als Hackman sogar bei einer Verhaftung eines Verdächtigen half, wurde er wegen Amtsanmaßung verklagt. Doch diese intensive Vorbereitungszeit bestimmte maßgeblich das Spiel Hackmans, das sich durch Authentizität, Laxheit und Schnoddrigkeit auszeichnet.

Roy Scheider

Auch die Nebenrollen sind alle überzeugend besetzt, u.a. setzte man die realen Polizeibeamten Eddie Egan und Sonny Grosso als Vorgesetzte ein. Auch der Antagonist wurde mit Fernando Rey (1917-1994) gut besetzt und bildet einen fast ruhigen Gegenpol zu dem hitzköpfigen Polizistengespann. Im Gesamten verschrieb sich das ganze Ensemble einem naturalistischen Spiel, was gut funktioniert, aber nicht die Schwächen und Längen des Films ausbügeln kann. Diese Drehbuchschwächen, die man vielleicht vor allem aus heutiger Zeit sieht, wo es dem Film an einem stringenten und spannungsgeladenen roten Faden mangelt, taten dem Erfolg des Films jedenfalls keinen Abbruch. Nach seiner Premiere am 7. Oktober 1971 in New York konnte der Film in der Erstauswertung 27 Millionen Dollar einnehmen und über die Zeit 50 Millionen Dollar Gewinn erzielen. Auch andere Filmpreise zeichneten den Film aus u.a. gewann er drei Golden Globes (‚Bester Film – Drama‘, ‚Beste Regie‘ und ‚Bester Hauptdarsteller‘). Für viele gilt der Film noch heute als Meilenstein, vor allem aufgrund seiner Verfolgungsjagd, mit der er in die Annalen der Filmgeschichte eingegangen ist. Sogar der 1975 erschienene Nachfolger „The French Connection II“ von John Frankenheimer schaffte es trotz geringer Zuschauerzahlen sich ebenfalls in die Toplisten zu spielen. 

Gene Hackman

Fazit: Auf wahren Tatsachen beruhend gehört „Brennpunkt Brooklyn – French Connection“ bis heute zu den Höhepunkten der Straßencop-Filme der 70er Jahre. Vor allem durch seine für die damalige Zeit unkonventionelle, authentische Inszenierung und seine beeindruckende Verfolgungsjagd ging der Film in die Annalen ein. Doch leider wird aufgrund von Spontanität und Realismus die Story weitestgehend vernachlässigt. Obwohl eine Absicht dahinter steckt, mangelt es dem Film an einem stimmigen roten Faden und vor allem Spannung sowie interessanten Charakteren. Gut gespielt von Hackman und Scheider begründen sie hier Stereotypen für den klassischen Straßen-Cop, aber leider keinerlei interessante Figuren, wenn man nicht einen Faible für dieses Genre hat. Trotzdem war er der große Gewinner der 44. Oscarverleihung und konnte fünf Trophäen abstauben u.a. für den ‚Besten Film‘ und William Friedkin, der Regisseur von „Der Exorzist“, erhielt hier den einzigen Regie-Oscar seiner Karriere.

Bewertung: 5/10

Trailer zum Film „Brennpunkt Brooklyn“

 

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

Diese Rezension ist als Teil der Oscar-Reihe der Testkammer erschienen.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.