- Neun Fragen an Joscha Bongard - 20. April 2026
- „Babystar“ (2025) - 20. April 2026
- Jetzt online! – Der Film „Beautiful Men“ - 19. April 2026
Filmkritik: Der kanadische Spielfilm „BlackBerry – Klick einer Generation“ (OT: „BlackBerry“, Kanada, 2023) von Matt Johnson, der seine Premiere auf dem 73. Berlinale 2023 feierte, erzählt in einem unterhaltsamen Biopic-Stil von der Entwicklung, Vermarktung und Untergang des ersten Smartphones.
Die beiden kanadischen Erfinder Mike Lazaridis (Jay Baruchel) und Doug (Matt Johnson) haben in den 1990er Jahren ein Telefon erfunden, das mit dem Internet verbunden ist und die Welt revolutionieren könnte. Da aber beide weder Geschick mit der Vermarktung und noch eine unternehmerische Weitsicht besitzen, heuern sie den knallharten Geschäftsmann Jim Balsillie (Glenn Howerton) an, der sich aufgrund einer persönlichen Notsituation der beiden annimmt, und das BlackBerry, wie sie es bald nennen, im großen Stil auf den Markt bringt. Dabei geht die kanadische Firma RIM, die jetzt die Geschäfte leitet, immer mehr Risiken ein, so dass irgendwann die US-Börsenaufsicht SEC auf der Matte steht. Aber nicht nur das: Ein gewisser Steve Jobs kündigt ein neues Smartphone an, das keine physischen Tasten mehr benötigt.
Der kanadische Spielfilm stammt aus der Hand des Regisseurs und auch Darstellers Matt Johnson, der bisher eher mit Independent-Produktionen wie der Serie „Nirvanna the Band the Show“ (2016-2023) bekannt geworden ist. „BlackBerry“ ist nach „The Dirties“ (2013) und „Operation Avalanche“ (2016) sein dritter Spielfilm. Zusammen mit dem Drehbuchautor Matthew Miller schuf er eine spannende Geschichte über den Aufstieg und Fall des ersten Smartphones – des BlackBerrys. Dieses aus Kanada stammende Telefon samt Internetverbindung und Tastatur wurde mittlerweile nahezu komplett vom Markt verdrängt. In 120 Minuten erzählt Johnson die Geschichte des Unternehmens. Es beginnt mit zwei Nerds und ihrer Crew, die mit ihrem neuen Produkt keine Beachtung bekommen. Erst als sie einen hai-mäßigen Unternehmer dazuholen, kommt das ganze Geschäft ins Rollen. Doch mit diesem kommen auch viele weitere Probleme mit in die Firma. Die Geschichte wird dabei ganz klassisch und chronologisch erzählt und besitzt alle Stärken, die solche Filme nach wahren Begebenheiten haben, aber natürlich auch die Schwächen, wie, dass das Ende bekannt und absehbar ist, und leider immer eine der Figuren ihre Integrität verliert.
Die Umsetzung ist dabei tadellos und lässt die ganze Zeit nie das Gefühl von Längen oder Langeweile aufkommen. Zum einen ist der Zeitkolorit – es spielt in den 1990er Jahren – hervorragend gelungen. Der Stil, auch gerade im Vergleich der beiden Pole Nerds und Geschäftsmänner, ist wunderbar eingefangen. Kleidung, Look und ja auch die Gestaltung der Räume passen sich immer den Figuren an. Hinzu kommt eine grandiose Besetzung mit vielen kanadischen Darstellern. Jay Baruchel, den man gefühlt lange nicht mehr auf der Leinwand gesehen hat und den man aus Filmen wie „Tropic Thunder“ (2008) und „Goon“ (2011) kennt, läuft hier zur Hochform auf und schafft es die Wandlung der Hauptfigur greifbar und verständlich einzufangen. Matt Johnson in der wichtigen Nebenrolle ist das Herz des Films, gerade auch weil seine Figur konstant in ihrem Sein bleibt. Darüber hinaus kann man in den Nebenrollen viele bekannte Darsteller wie Cary Elwes („Die Braut des Prinzen“ (1987), „Mission: Impossible – Dead Reckoning Teil Eins“ (2023)), Martin Donovan („Weeds“ (2005-2006), „Tenet“ (2020)) und Rich Sommer („Mad Men“ (2007-2015), „GLOW“ (2017-2019)) sehen. So ist in diesem Produkt-BioPic alles stimmig umgesetzt, bringt den unbedarften Zuschauer:innen etwas Zeitgeschichte näher und schuf einen rundherum unterhaltsamen Film.
Fazit: „BlackBerry“ ist eine klassische Geschichte vom Aufstieg und Fall eines Unternehmens. Von den Anfängen in der Nerdschmiede hin zu einem börsennotierten Unternehmen zeichnet der Regisseur Matt Johnson gut besetzt und authentisch die Entwicklungen nach. Er erfindet damit das Rad nicht neu, kann aber zwei Stunden lang wunderbar unterhalten.
Bewertung: 8/10
Kinostart: 7. Dezember 2023
Trailer zum Film „BlackBerry – Klick einer Generation“:
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Quellen:
- 73. Internationale Filmfestspiele Berlin 2023 – Katalog (Programm ‚Wettbewerb‘)
- Wikipedia-Artikel über den Film „BlackBerry“
- Eintrag des Films „BlackBerry“ bei der Viennale
- Rudolf Worschech, ‚Berlinale: Sie haben es nicht gut gemacht‘, epd-film.de, 2023
- Fabian Wallmeier, ‚Berlinale-Kritiik „BlackBerry“: Alphatier auf extra viel Speed‘, rbb24.de, 2023
