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Filmkritik: Mitten in der Corona-Pandemie ereignete sich ein Börsenereignis, das durch die Medien ging. Basierend auf einem Tatsachen-Buch erzählt der Film „Dumb Money – Schnelles Geld“ (OT: „Dumb Money“, USA, 2023) von Craig Gillespie die Geschichte von Privatinvestoren, welche abfällig als ‚Dummes Geld‘ bezeichnet werden, und wie diese es geschafft haben, mit einer Aktie die Hedgefondsmanager in die Knie zu zwingen.
Der Finanzmarktanalyst und Hobby-YouTuber Keith Gill (Paul Dano) entdeckt eines Abends in der Corona-Pandemie, dass die Börse im großen Stil die Gamestop-Aktie verkauft. Obwohl natürlich die Videospiel-Verkaufskette in dieser Zeit kriselt, hält er selbst diesen Abverkauf für falsch und investiert sein ganzes Geld in diese Aktie. In einer Reddit-Gruppe und auf seinem Youtube-Channel erklärt er seine Entscheidung und steckt damit andere Hobby-Investor:innen an. So folgen ihm beispielsweise die beiden Studentinnen Riri (Myha’la Herrold) und Harmony (Talia Ryder), die Krankenschwester Jenny (America Ferrera) sowie der Gamestop-Angestellte Marcos Garcia (Anthony Ramos) und die Aktie schnellt zum Leidwesen aller Hedgefondsmanager wie Gabe Plotkin (Seth Rogen) in die Höhe.
Zwei Arten von Filmen sind gerade hoch im Kurs: Zum einen Film, die wahre, teils irrwitzige Geschichten erzählen (man denke an „BlackBerry“ (2023)) und Filme, die uns die Finanzwelt näher bringen, ohne zu sehr lehrmeisterhaft zu sein („The Big Short“ (2015)). „Dumb Money – Schnelles Geld“ vereint genau diese beiden Filmerzählungen und bringt uns eine Geschichte auf die Kinoleinwände, die sich am Anfang der Corona-Pandemie zugetragen hat. Das Drehbuch basiert auf dem Buch „The Antisocial Network: The GameStop Short Squeeze and the Ragtag Group of Amateur Traders That Brought Wall Street to Its Knees“ (2021) von Ben Mezrich. Die beiden Drehbuchautorinnen Lauren Schuker Blum und Rebecca Angelo haben es wunderbar für die Leinwand adaptiert, so dass ein Film entstand, dessen Charaktere man sofort ins Herz schließt. Der Regisseur Craig Gillespie, der Filme wie „Lars und die Frauen“ (2007) und „I, Tonya“ (2017) realisiert hat, schuf aus der Geschichte einen leichtfüßigen, unterhaltsamen Spielfilm, der mit vielen Figuren zeigt, wie die Börse auch das Leben ‚normaler‘ Menschen berührt. Natürlich ist das Ende absehbar, gerade auch wenn man diese doch aktuelle Geschichte noch aus den Nachrichten im Kopf hat, aber das schadet dem Unterhaltungsfilm überhaupt nicht.
Die Inszenierung ist perfekt auf seine Geschichte abgestimmt. Mit den Protagonist:innen wechseln auch die Locations. So sieht man die Menschen, welche die Aktien kaufen, in ihrem Arbeits- oder studentischen Umfeld. Auch Keith, der Hauptheld, erstellt die Aktienmarktanalysen von seinem heimischen Keller aus. Im Gegensatz dazu sieht man die Broker nur in hellen, großen Büros, in ihren Villen oder bei High-Society-Parties. In ihrer Welt ist gefühlt immer Sonnenschein vorhanden. Doch in dem tageslichtmissenden Keller strahlt Keith mit seinem roten Stirnband und den verschiedenen albernen Katzen-T-Shirts als als sympathischer Held. Der Cast ist bis in die Nebenrollen perfekt besetzt. Das sympathische, bodenständige Ehepaar, welches die kleine Revolte anführt, wird perfekt von Paul Dano („Little Miss Sunshine“ (2006), „Prisoners“ (2013), „12 Years a Slave“ (2013)) und Shailene Woodley („Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ (2014), „Die Bestimmung – Allegiant“ (2016), „Die Farbe des Horizonts“ (2018), „Der Mauretanier“ (2021)) verkörpert. Zudem sieht man Anthony Ramos („Hamilton“ (2020), „In the Heights“ (2021)) als Gamestop-Verkäufer und America Ferrera als Krankenschwester („Barbie“ (2023)). Sie alle sind wunderbare Sympathieträger:innen. Aber auch die Besetzung der ‚dunklen‘ Seite ist mit Seth Rogen („Ananas Express“ (2008), „Long Shot – Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich“ (2019)), Nick Offerman („Parks and Recreations“ (2009-2015)) und Vincent D’Onofrio („Men in Black“ (1997)) wunderbar besetzt. Allen Beteiligten sieht man die Freude am Spiel und Austarieren ihrer Rollen an, so dass man, auch wenn einem der Ausgang der Geschichte klar ist, nie das Interesse verliert. Im Gesamten ist Craig Gillespie ein sehr unterhaltsamer Spielfilm im Gewand einer klassischen Underdog-Geschichte gelungen, die aufgrund ihrer Besetzung und leichtfüßigen Inszenierung einfach Freude macht.
Fazit: „Dumb Money – Schnelles Geld“ ist ein Spielfilm nach wahren Ereignissen, welche während der Corona-Pandemie Aufsehen auf dem Finanzmarkt erregt haben. Der Regisseur Craig Gillespie macht daraus eine David-gegen-Goliath-Geschichte und begeistert mit einer leichtfüßigen Inszenierung und perfekt ausgewählten Besetzung.
Bewertung: 8,5/10
Kinostart: 2. November 2023
Trailer zum Film „Dumb Money – Schnelles Geld“:
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Quellen:
- Wikipedia-Artikel über den Film „Dumb Money – Schnelles Geld“
- Miguel de la Riva, ‚Film „Dumb Money“: Die Rebellion des dummen Geldes‘, faz.net, 2023
- Anna Wollner, ‚„Dumb Money – Schnelles Geld“: Emotionale David-gegen-Goliath-Story‘, ndr.de, 2023
- Andreas Ungerböck: „Eine Hochzeit und viele Todesfälle“, Ray Filmmagazin, Ausgabe 10/2023: S. 32-37:
- Jakob Diebold: „Tritt nach oben“, Ray Filmmagazin, Ausgabe 10/2023, S. 64-67
- Kay Mihm, ‚Kritik zu Dumb Money – Schnelles Geld‘, epd-film.de, 2023


