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13. – 18. März 2024 / Kinopolis, Kinoptikum, Salzstadel
Festivalbericht: Auch in diesem Jahr drehte sich in der niederbayerischen Stadt Landshut sechs Tage im März alles um Kurzfilme. Mit einem guten Händchen hat der künstlerische Leiter Michael Orth 219 Filme aus 37 Ländern zu über 42 Veranstaltungen zusammengestellt. Mit seiner Kollegin Birgit Horn und ihrem gesamten Team haben sie wieder ein gelungenes Festival auf die Beine gestellt, das auch Menschen, die sonst nicht viel in Berührung mit dieser Form kommen, ein gut kuratiertes und abwechslungsreiches Programm zu bieten hatte.
D-A-CH Wettbewerb
Der D-A-CH-Wettbewerb lockt vermutlich die meisten Besucher:innen in die Landshuter Kinos. Gerade die Lieblingsfilme am Sonntag sind eine begehrte Veranstaltung, bei der man auch eine gute Chance hat, die Gewinnerfilme zu sehen. Den mit 5.000€ dotierten Großen BMW Kurzfilmpreis gewann der Kurzfilm „Everybody Leaves in the End“ von Simon Schneckenburger. Er erzählt darin von einer sich auflehnenden Jugendlichen, Familienbande und Trauer. Auch der österreichische Film „Nachtgesichter“ erzählt als Stadt-Roadtrip von Trauer und einem mitfühlenden Miteinander unter Fremden. Es gab bei vielen Filmen eine Fokussierung auf Coming-of-Age-Geschichten und Menschen, die etwas ändern wollen in ihrem Leben. Die beiden jungen Helden in „Kruste“ und „Sensibelchen“ kämpfen im familiären Kontext um ihren Platz. In „Piecht“ weiß eine junge, queere Frau eigentlich genau, wo sie steht, doch als sie mit ihrer Mutter in einem seltsamen Dorf Urlaub macht, sieht sie sich mit ganz anderen Problemen konfrontiert. Die Protagonistinnen in „Besser so“ und „Wäsche“, beide von der Regisseurin Lotta Schweikert, beschließen in unterschiedlicher Konsequenz, dass es so in nicht weitergehen kann. Auch in „There is no end to this story“ bricht die Protagonistin aus ihrem Leben aus. Der Film von Cosima Frei gewann den Preis für die Beste Komödie. Des Humors bedienen sich auch die Kurzfilme „Trains Passing“, der von der schwierigen Wohnungssuche in Berlin erzählt, und „Das ist keine Figur, das ist Verrat“, der es schafft, anfänglich beschwingt und voller Energie von einem Mutter-Sohn-Verhältnis zu erzählen, und dann mühelos in ein berührenden Film umschwingt.
Weitere Gewinner:
- Publikumspreis
„Korruption auf Erden“ (Regie: Omid Mirnour)
Bereits gesehen:
- „Lass nicht los“ (Regie: Antonia Lindner)
- „Die Räuberinnen“ (Regie: Isa Schieche)t
- „Balkan, Baby“ (Regie: Boris Gavrilović)
Shock Block
Der Shock Block ist in Deutschland einzigartig unter den Kurzfilmfestivals. Denn auch wenn es diverse Genrefilmfestivals gibt, hat man selten die Gelegenheit, solch eine große Auswahl an allen Genres von Horror, Science-Fiction, Dark Comedy, Fantasy und Western im Bereich des Kurzfilms zu sehen. In der Filmreihe waren in diesem Jahr 73 Kurzfilme aus 16 Ländern vertreten. Als Gewinner des Deadline-Awards ging das Sozial-Vampir-Drama „Transylvanie“ hervor, welches die Zuschauer:innen lange im Unklaren darüber lässt, ob sie wirklich ein Blutsauger ist oder nur ein Mädchen, das sich so vor der Umwelt schützt. Auch andere klassische Horrorgestalten hatten ihren Auftritt wie ein dämonisiertes Auto („Ride Baby Ride“), Unsichtbare („The Invisibles“), sich rächende Zähne („Tooth“) Home-Invaders („Be Right Back“), Serienmörder („The Kindness of Strangers“ und „The Perfect Place to Cry“) und fiese Alienkäfer („Dead Enders“). Außerirdische tummelten sich auch in dem äußerst mysteriösen Film „Power Signal“ und in der Komödie „Detox“. Immer wieder wird das Programm aufgelockert mit Comedy. So ging der Publikumspreis an „Free Spirits“, der das Übernatürliche wunderbar als Grundlage für eine Komödie verwendet. Auch fand man eine Mockumentary über die Liebe zu einem Poltergeist („Pablo Honey“). Geister spielten auch in den im Sozialdrama „The Eyes of Marge“ und in dem entzückenden Haustier-Film „Howl at the Dead“ eine zentrale Rolle. Auch Untote durften in diesem Jahr nicht fehlen. So traf man sie in den beiden Komödien „D.O.D.“ und „5 A.M.“, der von einem einsamen Pathologen berichtet. Auf amüsante Weise beschäftigt sich der Genre-Routinier Chris McInroy in seinem „We Joined a Cult“ mit dubiosen Vorgängen. „The Beast“ wirkt dabei wie eine ernsthafte Spiegelung dieser Geschichte. Auch geht es hier ums Erwachsenwerden. Elemente von Coming-of-Age-Geschichten werden immer gern verwendet, wobei der Übergang zum Genre gerne fließend ist. So auch in „Lollygag“, der an sich keine gruseligen Elemente enthält. Auch die Dystopie „Said of a deer that sheds“ beschäftigt sich mit einer Gruppe junger Menschen und wie diese sich vom Alten verabschieden. Immer wieder fielen Filme auch komplett aus der Rolle u.a. der komplett handgemachte Animationsfilm „Lost in the Sky“ sowie die Dokumentation „Satanic Cult for Dummies“. Auch gab es eine große Bandbreite an Filmen, die das Genre benutzen, um etwas anderes zu erzählen wie „Only yourself to blame“ (Vergewaltigung), „Bannkorb“ (Schuld) oder „Mop“ (Beziehungsdynamik). Andere Filme – wie „Tiny Thing“ – verwendeten zwar absichtlich bekannte Elemente des Horrorfilms, spielen aber damit, eigentlich keiner zu sein.
Internationaler Wettbewerb
Seit 2019 bietet das Landshuter Kurzfilmfestival auch eine Auswahl an internationalen Produktionen. In der Kategorie gewann der kanadische Kurzfilm „Making Babies“ von Eric K. Boulianne, der auch eine der Hauptrollen spielte. Es erzählt mit viel Offenheit, Humor und Ehrlichkeit von den Schwierigkeiten ein Kind zu bekommen. Auch der Gewinner des Publikumspreis Kurzfilm – „Live“ von Mara Tamkovich – erzählt eine authentische Geschichte und macht anschaulich, welchen Gefahren sich Reporter:innen der unabhängigen Berichterstattung in Belarus aussetzen.
Bereits gesehen:
- „Please Hold the Line“ (Regie: Tan Ce Ding)
- „Flowers from another Garden“ (Regie: Jorge Cadena)
- „The Birthday Party“ (Regie: Francesco Sossai)
- „Basri and Salma in a Never-Ending Comedy“ (Regie: Khozy Rizal)
- „The Red Suitcase“ (Regie: Khozy Rizal)
- „Syncope“ (Regie: Linus von Stumberg)
DOK Block, Animation, Kinder und DaHome
Neben den drei Hauptreihen gibt es auch weitere lohnenswerte Programme. Dazu zählen der Dokumentarfilmblock mit 16 Filmen aus dem D-A-CH-Raum. Dort ging der Schwarz-Weiß-Film „Die Farbe Rot“ von Sebastian Eggerbauer als Sieger hervor. Kein Wunder, bringt er einem doch die Farbe, ohne sie jemals selbst zu zeigen, wunderbar näher. Treffsicher war auch wieder der Beitrag von Corina Schwingruber Ilić – „Been There“, die sich wieder auf ihre Art mit dem Thema Tourismus beschäftigt. Nachdem man die Dokumentation „Words“ von Hannah Jandl gesehen hat, hat man garantiert einen Ohrwurm. Der Animationsfilm „Crush“ von Michal und Jakub Socha gewann den Animation Award und erzählt mit einer cineastischen Zitierfreude von einer Romanze. Ganz besonders ist in jedem Jahr der DaHome-Wettbewerb, der seit sechs Jahren den Begriff Heimat auf vielfältige Weise untersucht. Olga Kosanović konnte auch wie bereits schon auf dem 45. Filmfestival Max Ophüls Preis 2024 mit ihrem Film „Land der Berge“ als verdiente Siegerin des DaHome-Awards hervorgehen.
weitere Gewinner:
- Gewinner Kurzes für Kids: „Mitera“ (Regie: Dietrich Pollak)
- Gewinner Lokalrunde: „Brothers“ (Regie: Florian Ecker)
Bereits gesehen
- „The Waiting“ (Regie: Volker Schlecht)
Fazit: Auch das 24. Landshuter Kurzfilmfestival 2024, was sich jetzt vor allem in den Abendstunden abspielte, war wieder ein vollgepacktes Festival, das Kurzfilme aus aller Welt zeigte und auch wieder viel Besuch von Filmemacher:innen hatte. Es gab für jeden Geschmack etwas, sei es Komödie, Drama oder Horror. So kann man sich schon jetzt auf die nächste Festivalausgabe freuen, welche 2025 wieder Gäste in der niederbayerischen Stadt begrüßt.
Trailer des 24. Landshuter Kurzfilmfestival 2024:
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Fotografien von Michael Kaltenecker
Quellen:
- Website des Landshuter Kurzfilmfestivals
- Wikipedia-Artikel über das Landshuter Kurzfilmfestival


