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Filmkritik: Der amerikanische Regisseur und Drehbuchschreiber Mike Flanagan hat sich im Horror-Genre mit Filmen wie „Before I wake (2016) und Serien wie „Spuk in Hill House“ (2018) ein treues Fan-Publikum gesichert. Sein letzter Kinospielfilm „The Life of Chuck“ verfilmt die gleichnamige Kurzgeschichte von Stephen King und besitzt zwar Genre-Elemente, aber trotzdem betritt Flanagan damit für ihn cineastisches Neuland.
Der Film beginnt mit dem Ende und erzählt von einer untergehenden Welt. Während Marty (Chiwetel Ejiofor) und seine Ex-Frau Felicia (Karen Gillan) noch damit hadern, welche Katastrophe als Nächstes geschehen wird, verabschieden sich auf Werbetafeln Unbekannte von einem Mann in seinen 40ern namens Chuck (Tom Hiddleston). Neun Monate zuvor ist der Buchhalter Chuck auf dem Weg zu einem Meeting, als ihm der Beat eines Schlagzeugs zum Tanzen einlädt. Das erinnert Chuck an seine Kindheit (gespielt von Cody Flanagan und Benjamin Pajak) und Jugend (Jacob Tremblay). Nach dem Tod seiner Eltern wuchs er bei seinen Großeltern auf. Von seiner Großmutter Sarah (Mia Sara) lernt er das Tanzen und von seinem Großvater Albie (Mark Hamill) die Liebe zu den Zahlen, aber auch die Furcht vor dem Dachboden, auf dem angeblich ein Fluch liegt.
Auf den ersten Blick ist man erst einmal verwundert, dass der Horrorfilm-Regisseur Mike Flanagan sich jetzt der Adaption dieser Kurzgeschichte widmet. Doch zum einen hat er bereits mehrere Stephen King Bücher verfilmt, u.a. „Das Spiel“ (2017) und „Doctor Sleeps Erwachen“ (2019), und scheint vom Storytelling sich dem amerikanischen Schriftsteller, der sich mit Bücher wie „Es“ (1986) und „Carrie“ (1974) einen Namen gemacht hat, nah zu fühlen. Doch viel wichtiger ist, dass der Kern vieler seiner Horrorgeschichten ein Drama ist. Man denke nur an die beiden Serien „Spuk in Hill House“ (2018) und „Spuk in Bly Manor“ (2020), die zwar klassische Geistergeschichten sind, aber auch von Verlust, Liebe und Familienzusammenhalt erzählen. Seine bisherigen Arbeiten schaffen es, abseits von Gruseleffekten, die Zuschauer:innen auch auf emotionaler Ebene zu erreichen. Diese Stärke kann er nun in dem dreigeteilten Spielfilm ausleben. Wir erleben ein dystopisches, mysteriöses Weltuntergangsszenario, ein Episode voller Schwung & Rhythmus und einen berührenden Blick zurück in die Kindheit. Die Geschichte wird in den drei Akten vom Ende ausgehend rückwärts erzählt. Nach dem düsteren Beginn, erheitert eine ausführliche Tanzszene das Publikum. Dann kommt der entscheidende Akt, in dem wir den jungen Chuck, seine Welt und seine Gedanken kennenlernen.
Die Inszenierung zeigt, dass Mike Flanagan in allen Genres zu Hause ist. Mit größter Spannung und Souveränität erzählt er vom Sterben der Welt, das mit vielen aktuell wichtigen Themen stark verbunden ist. Er baut ein Mysterium um die Figur Chuck herum auf, das er erst nach und nach auflöst und das Publikum zum Mitdenken, aber vor allem zum Mitfühlen anregt. Dazu trägt auch die gelungene Besetzung aller Rollen dabei. Dabei steht Tom Hiddleston, den man vor allem als ‚Loki‘ aus dem Marvel-Universum kennt, nicht so sehr im Vordergrund. Viel wichtiger sind in der ersten Hälfte das sympathische Gespann von Chiwetel Ejiofor („12 Years a Slave“) und Karen Gillan („Doctor Who“), in der letzten Episode ruhen alle Sympathien auf den Jungdarstellern u.a. Jacob Tremblay („Wunder“) gerade im Zusammenspiel mit den Großeltern. Mark Hamill als Großvater zeigte in diesem Jahr auch schon mit „Der Todesmarsch“, dass sein Œuvre größer ist als das „Star Wars“-Universum.
Fazit: „The Life of Chuck“ ist der achte Spielfilm von Mike Flanagan, der hier zum dritten Mal einen Stephen King Roman verfilmt und dieses Mal das Horrorgenre verlässt und einen einfühlsamen Film über Familien, Abschied und Beziehungen erzählt.
Bewertung: 4/5
Kinostart: 24. Juli 2025
Trailer zum Film „The Life of Chuck“:
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Quellen:
- Wikipedia-Artikel über den Film „The Life of Chuck“
- Susanne Burg: Filmkritik zu „Life of Chuck“, in Podcast: Deutschlandfunk Kultur – Vollbild, 19.07.2025.
- The Life of Chuck / Tanz, Chuck, Tanz, in Podcast: Der Tele-Stammtisch – Der Film- und Serienpodcast, 22.07.2025.
- The Life of Chuck, in Podcast: Pop Culture Happy Hour, 17.06.2025.
- Filmkritik „The Life of Chuck“, in Podcast: RBB 3 – Film aktuell, 23.07.2025.
- Tina Kakedelis: The Life of Chuck, in Podcast: Movies with My Dad, 21.06.2025.
- Fantastic Four mit Pedro Pascal und Joseph Quinn im Interview, in: Podcast CinePie, 23.07.2025.
- The Life of Chuck / Kann Mike Flanagan Gänsehaut ohne Horror?, in Podcast: Filmfrühstück – Ein Toast auf dem Film, 12.07.2025.
- Episode #406: ‚The Life of Chuck‘ with William Bibbiani, in Podcast: Maximum Film!, 13.06..2025.
- Anke Sterneborg: The Life of Chuck, in: EPD Film, Ausgabe 7/25, S.53.
- Marc Hairapetian: The Life of Chuck, in: Ray – Filmmagazin, 07+08/25, S. 36.
- Fantastic Four mit Pedro Pascal und Joseph Quinn im Interview, in: Podcast CinePie, 23.07.2025.