“Die Spur” (2017)

Poster zum Film "Die Spur"

© 2017 Film Kino Text / Robert Palka

Filmkritik: Der polnische Film “Die Spur” (OT: “Pokot”, Polen, 2017) der Regisseurin Agnieszka Holland markiert nach einer etwas längere Pause ihre Rückkehr auf die Kinoleinwände. Auf der Berlinale 2017 feierte der Film seine Weltpremiere und konnte mit seinem Genremix und seiner gesellschaftskritischen Geschichte viele Zuschauer begeistern, so dass er fast als ein heißer Oscaranwärter für die Verleihung 2018 erschien.

Die Aushilfslehrerin und ehemalige Ingenieurin Janina Duszejko (Agnieszka Mandat) lebt ein zurückgezogenes Leben an der Südwestecke Polens. Ihre besten Freunde sind ihre Hunde und sie lebt verbunden mit der Natur. Doch als eines Tages ihre Hunde spurlos verschwinden, hat sie den örtlichen Jagdverband in Verdacht. Alle Versuche diesen und seine martialischen Riten zu stoppen, verlaufen zwar im Sande, aber die Natur scheint die Sache selbst in die Hand zu nehmen, denn einige der Angeklagten sterben unter mysteriösen Umständen und immer befinden sich Tierspuren vor Ort.

© 2017 Film Kino Text / Robert Palka

Die Polin Agnieszka Holland führte hier Regie und schrieb das Drehbuch auf Grundlage des Romans “Der Gesang der Fledermäuse” (2009) von Olga Tokarczuk. Der Spielfilm “Die Spur” möchte sich nicht entscheiden, was er sein möchte. Er vereint die verschiedenen Genre wie Drama, Gesellschaftsstück und Thriller und komische Elemente miteinander. Dies funktioniert über weite Strecken sehr gut. Weniger gelungen sind die Thriller-Elemente, da die Lösung des Kriminalfalls den meisten Zuschauern einfach klar ist. Der Film besticht vor allem als Portrait der veralteten, patriarchalischen Strukturen von Polen. Die Anprangerung der bestehenden Systeme und des falschen Umgangs mit der Natur erfolgt durch eine sehr spezielle Figur. Die ältere Dame Janina beugt sich keinen Konventionen oder Traditionen. Sie rebelliert gegen alles, wofür Polen steht. Dadurch ist sie nicht nur ein Portrait einer älteren Dame, sondern sie ist das lebende Plädoyer für den Feminismus und das Ausbrechen aus erstarrten Systemen. Etwas anstrengend wird es durch ihren schwierigen Charakter, da die Figur zu Hysterie und Astronomie-Besessenheit neigt. So sagt sie in manchen Szenen zwar das Richtige, aber ihre Aussagen werden durch diese Ticks verwässert und machen sie so zu einem ungeeigneten Sprachrohr. Doch in ruhigeren Momenten, wo man die Verbittertheit von ihrem Gesicht ablesen kann oder sie Freundschaft mit weiteren Ausgestoßenen der polnischen Gesellschaft schließt, ist der Film ein starkes, bewegendes Portrait, das dazu aufruft, etwas zu ändern. Obwohl der Film sehr polnisch ist, lässt sich die Botschaft gut auf Europa und auch die USA übertragen, wo in letzter Zeit der Rechtsruck deutlich spürbar geworden ist. Das erklärt auch den Erfolg von “Die Spur” über die polnischen Grenzen hinaus.

© 2017 Film Kino Text / Robert Palka

Auch aus handwerklicher Sicht kann sich der Film sehen lassen. Die eingefangenen Naturaufnahmen fangen die beiden gegensätzlichen Seiten authentisch ein. Die Schönheit und Weite der polnischen Landschaften sowie die Härte des Winters sind zusammen ein Abbild des bestehenden Kontrastes in der Gesellschaft. Eingefangen wurde das ganze von den talentierten Kameramännern Jolanta Dylewska und Rafal Paradowski, die in den richtigen Situationen bewegende Landschaften oder Detailaufnahmen in Szene setzen. Hinzu kommt die aufbrausende und aufwühlende musikalische Untermalung des Komponisten Antoni Lazarkiewicz, der es auch schafft die verschiedene Genre auch tonal zu verbinden. Im Gesamten unterstützt die formale Ausgestaltung stimmig die ungewöhnliche Geschichte.

© 2017 Film Kino Text / Robert Palka

Fazit: Der polnische Spielfilm “Die Spur” wagt einen riskanten Genremix, der zwar nicht in allen Elementen funktioniert. Doch er besitzt viele starke Elemente und eine außergewöhnliche Hauptheldin, welche ordentlich gegen den gesellschaftlichen Strich gebürstet ist. Zudem weist der Film starke dunkle Töne auf und als Kontrast Szenen voller Liebe und Wärme. Dies macht der Film auf vielen Ebenen eindringlich deutlich. So ist der neueste Film der Regisseurin Agnieszka Holland sicher keine einfache Kost, besitzt aber unvergessliche Kinomomente.

Bewertung: 7/10

Kinostart: 4. Januar 2018, DVD-Start: unbekannt

Der Trailer zum Film “Die Spur”:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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