„Zurück nach Hause“ (2018)

Filmkritik: Der polnische Spielfilm „Zurück nach Hause“ (OT: „Powrót“, ET: „Back Home“,  Polen, 2018) der Regisseurin Magdalena Łazarkiewicz lief im Jugendprogramm des 28. Cottbuser Filmfestival und war mit seiner dunklen Erzählung alles andere als leichte Kost und schaffte es, die Zuschauer mit seiner Geschichte zu packen.

Ulka (Sandra Drzymalska) stand an der Schwelle zum Erfolg, als sie spurlos verschwand. Nach zwei Jahren kehrt sie in ihre Heimatstadt zurück. Zwar sichtlich körperlich und psychisch geschunden, aber ohne Ambitionen über die letzten Jahre zu reden, wird sie mit Misstrauen von der Familie und Gemeinschaft wieder aufgenommen. Sogar ihre Mutter (Agnieszka Warchulska) schafft es nicht wieder mit ihr warm zu werden, sondern sucht die Schuld bei ihr und so wird es für Ulka fast unmöglich die traumatischen Erlebnisse zu verarbeiten.

Agnieszka Warchulska, Dawid Rostkowski und Sandra Drzymalska

Die polnische Regisseurin Magdalena Łazarkiewicz (*1954), Schwester der bekannten Regisseurin Agnieszka Holland („In Darkness“ (2011), „Die Spur“ (2017)), schuf mit „Zurück nach Hause“ eine bewegende und authentische Geschichte, welche nicht nur für ein jugendliches Publikum konzipiert wurde und die es schafft, den Finger in die richtigen Wunden zu legen. Łazarkiewicz, die zusammen mit Katarzyna Cesarz Terechowicz das Drehbuch geschrieben hat, erzählt von einer Gesellschaft, in der Misstrauen und Schuldzuweisungen der normale Umgang miteinander sind. Obwohl es offensichtlich ist, dass ihre Protagonistin Ulka zutiefst verstört ist, bekommt sie nicht die Fürsorge, die sie braucht. Wie auch in dem Kurzfilm „Daughter“ von Mara Tamkovich werden hier die gesellschaftlichen Missstände in Polen aufgezeigt. Die polnische Gesellschaft tut sich schwer mit dem Status der Frauen und dem rechten Umgang mit Übergriffen auf diese. Das fängt der Film gut ein und zeigt die verhärteten Gedankenstrukturen, welche sogar die Frauen selbst befallen. Dafür wurde eine Mutterfigur geschaffen, welche weit entfernt ist von mütterlicher Liebe und Verständnis. Mit einem authentischen und genauen Blick anhand eines Einzelschicksals entfaltet die Regisseurin mit voller Wucht ein Gesellschaftsportrait, das die Zuschauer unvermittelt trifft und es schafft, an den bestehenden Strukturen und Denkweisen zu rütteln.

Sandra Drzymalska

Für den Film, die sechste Regiearbeit von Łazarkiewicz, wählte die Regisseurin eine passende Bildsprache, um die Gefühle der Protagonistin stimmig zu bebildern. Ihre Heimkehr wird dabei nicht von warmen Farben eingefangen, sondern von grün-gräulichen Farben dominiert. So verliert schon bei der Betrachtung der Bilder das Zuhause an Gemütlichkeit und Wärme, welche auch den Menschen fehlt, die ihr begegnen. Zudem bleibt die Kamera nahe an den Gesichtern seiner Protagonisten, so dass man ein Gefühl für diese bekommt. Dabei schaffen es die grandiosen Darsteller (allen voran Sandra Drzymalska als Ulka und Agnieszka Warchulska als ihre Mutter) die Gefühle, welche sie zu unterdrücken versuchen, lebensecht wiederzugeben. So schlägt sich der Zuschauer ganz natürlich auf die Seite der Ulka, um der Ungerechtigkeit entgegenzustehen. Mit der souveränen Kameraarbeit, dem Licht- und Farbeinsatz sowie der gut ausgewählten Besetzung rundet Łazarkiewicz ihre Geschichte von psychischer Gewalt und einer traumatisierten Heimkehr ab.

Agnieszka Warchulska und Sandra Drzymalska

Fazit: Die polnische Regisseurin Magdalena Łazarkiewicz schuf mit ihrem Film „Zurück nach Hause“ ein eindringliches Familienportrait. Handwerklich gut umgesetzt und hervorragend besetzt erzählt sie dabei nicht nur von den Auswirkungen von psychischer und physischer Gewalt auf eine Familie, sondern schuf gleichzeitig ein Gesellschaftsstück über die verhärteten Denkstrukturen des eigenen Landes.

Bewertung: 8,5/10

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

Ein Gedanke zu “„Zurück nach Hause“ (2018)

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