„Maria Stuart, Königin von Schottland“ (2018)

Filmkritik: Das britische Königshaus und seine langjährige Geschichte hat schon viele filmische Blüten geschlagen. Die Regisseurin Josie Rourke widmet auch ihren Film „Maria Stuart, Königin von Schottland“ (OT: „Mary Queen of Scots“, UK/USA, 2018) dem Ränkespiel zwischen der schottischen Thronfolgerin Maria Stuart und Königin Elisabeth. Dabei erweitert sie die bekannte Geschichte um fiktive Situationen, aber vor allem um eine explizit weibliche Sicht.

Maria Stuart (Saoirse Ronan) beschließt im Jahr 1561, nachdem ihr 16-jähriger Mann Franz II. sie zur Witwe gemacht hat, in ihre Heimat Schottland zurückzukehren und dort den Thron zu besteigen. Auf dem Stammsitz Holgrov Castle übernimmt sie das Zepter von ihrem Halbbruder James (James McArdle). Als Frau und Katholikin ist es schwer sich als Königin zu etablieren, da ihr der Klerus, vor allem John Knox (David Tennant) nicht folgen wollen. Ihre Cousine Elisabeth (Margot Robbie) sieht in ihr keine Bedrohung, doch durch einen möglichen Machtverlust wird sie zum Handeln gezwungen und arbeitet einen Deal aus. Dafür soll Maria Robert Dudley (Joe Alwyn) heiraten, doch ob sich damit die Unruhen, welche auch durch James angezettelt werden, abwenden lassen und ob die beiden Frauen sich in Freundschaft und nicht Hass begegnen können, ist ungewiss.

Ismael Cruz Cordova, Maria Dragus, Izuka Hoyle und and Saoirse Ronan
© Focus Features LLC. All rights reserved. / Liam Daniel

Die Geschichte von Maria Stuart setzte die frisch gebackene Filmemacherin Josie Rourke um, welche jahrelang die künstlerischen Leitung des Donmar Warehouse-Theaters (London) inne hatte und hier ihr Spielfilmdebüt gibt. Das Drehbuch dafür schrieb der bekannte Beau Willimon, der sich vor allem mit der Serie „House of Cards“ (2013-2018) seine Sporen verdient hat. Da sich bereits viele mit dem Stoff beschäftigten, wie auch in einem ähnlichen Fall bei Otto Bathursts „Robin Hood“-Neuverfilmung, brauchte es gefühlt eine Legitimation, warum genau dieser Stoff noch einmal verfilmt werden sollte. Auch bei „Maria Stuart, Königin von Schottland“ gibt es, wie so oft in historischen Stoffen, Bezüge zur aktuellen Zeit. Einerseits baut der Film mehr People of Colour ein, als es bisher in solcher Art Filmen üblich war, andererseits wählt die Regisseurin Rourke einen starken weiblichen Blick. Sie eröffnet mit ihrer Variante einen anderen Blick auf die Geschehnisse. Der weibliche Blick ist dabei messerscharf, aber sieht trotzdem manche Ungerechtigkeit nicht kommen. Auch spinnt der Filme eine Szene ein, in der sich Maria Stuart und Elisabeth live begegnen. Obwohl dies nicht überliefert ist, erscheint sie im Rahmen des Möglichen und zeigt auch die Gefangenheit der beiden Frauen, deren Handeln nicht von Hass gelenkt ist. Gerade Maria Stuart gilt in dem allgemeinen Gedächtnis als schwache und inkompetente Herrscherin, auch aufgrund ihrer offensiven Sexualität. Mit diesen Themen beschäftigt sich der Film, er rückt ab von einem undifferenzierten, männlichen Blick und erzählt so die Geschichte neu.

Guy Pearce und Margot Robbie
© Liam Daniel / Focus Features

Was ebenfalls im Gedächtnis bleibt ist die äußerst ansprechende optische Inszenierung. Die Filmbilder bauen einen starken Kontrast zwischen der harten, kalten und dreckigen Realität und dem Hofleben auf, was in manchen Momenten so unbeschwert sein kann. Mit dem schwindenden Rückhalt im Volk, fängt auch das Make-Up an zu bröckeln. Auch Königin Elisabeth, durch die Pocken entstellt, gibt immer mehr ihrer Natürlichkeit auf, um hinter einer Maske zu verschwinden. Bei der 91. Oscarverleihung wurde der Film in den beiden Kategorien ‚Bestes Make-Up‘ und beste Frisuren’ sowie ‚Bestes Kostümdesign‘ nominiert und hatte auch gegen Filme wie „The Favourite – Intrigen und Irrsinn“ (2018) „Black Panther“ (2018) und „Vice – Der zweite Mann“ (2019) gute Chancen, konnte allerdings die Trophäen nicht gewinnen. Das Kostümdesign stammt aus der Hand von Alexandra Byrne, welche bereits für „Elisabeth – Das goldene Königreich“ (2007) mit einem Oscar ausgezeichnet wurde. Ihre Kreationen für den Film sind wunderschön, realitätsnah, etwas übertrieben, aber die perfekte Hülle für die Hauptdarstellerinnen. Saoirse Ronan, bekannt durch Filme wie „Grand Budapest Hotel“ (2014), „Am Strand“ (2017), „Loving Vincent“ (2017) und „Lady Bird“ (2017), spielt Maria Stuart mit der richtigen Mischung aus Stärke, Fehlgeleitetsein, weiblicher Emotionalität und der Schwäche der Jugend. Ganz anders tritt Margot Robbie (gesehen in „The Big Short“ (2015) und „I, Tonya“ (2017)) auf. Ihre Elisabeth ist mit der Zeit stärker geworden und trägt ihre Kleidung wie eine Rüstung. Trotz aller Härte verleiht sie ihr Profil und Gefühl und zeigt sie ebenfalls als verletzliche Frau. Die beiden Darstellerinnen schaffen es, die Hauptcharaktere, die an zwei Enden der Entwicklung stehen, mit der richtigen Mischung aus Authentizität, Gefühl und Stärke zu verkörpern. Sie machen die Zeit spürbar und wie schwierig der Kampf um den Thron sich wirklich anfühlte. Trotz seiner Neuerungen vor allem durch die Renovierung des damaligen Bildes, bleibt „Maria Stuart, Königin von Schottland“ eher ein Nischenwerk, das sich vor allem Fans von tollen Kostümen, Historienfilmen oder der beiden Darstellerinnen anschauen werden. Denn trotz allen Lobes bleibt er in dem Genre zu stark verhaftet und bietet anderen Zuschauern wenig Anreiz sich den Film zu Gemüte zu führen.

Jack Lowden und Saoirse Ronan
© Liam Daniel / Focus Features

Fazit: Der Historienfilm „Maria Stuart, Königin von Schottland“ erweitert die Geschichte um ein paar zusätzliche Ereignisse und integriert so zugleich aktuelle Themen wie Emanzipation, Machtmissbrauch und Diskriminierung von Minderheiten. An der Oberfläche ist der Film der Regisseurin Josie Rourke vor allem aber ein schön anzusehendes Historienstück, das mit fantastischen Kostümen und stark gespielten Charakterrollen auf ein tragisches Ende zusteuert. Deshalb wird es sich in der allgemeinen Flut solcher Art Filme nicht behaupten können, obwohl es definitiv mehr Beachtung verdient hätte.

Bewertung: 7/10

Kinostart: 17. Januar 2019 / DVD-Start: 23. Mai 2019

Trailer zum Kurzfilm „Maria Stuart, Königin von Schottland“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

Doreen Matthei

Doreen Matthei (*1984)

Studium der Kunstgeschichte - Schwerpunkt: Filmgeschichte
(Abschluss 2010 mit der Arbeit "Rembrandt im Spielfilm")
Nebenfächer: Philosophie und Alte Geschichte


- seit 2012: Filmkritikerin bei movieworlds (Kino, DVD, BD, Festivalberichte)

- seit 2015: Blog 'Testkammer' online

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