„Mama Pingpong Social Club“ (2018)

Kurzfilm / Taiwan / Fiktion / 2018

Filmkritik: Der Kurzfilm „Mama Pingpong Social Club“, gesehen auf dem 20. Landshuter Kurzfilmfestival, fängt sanft als ein Drama über eine ältere Frau an und webt dann überraschende Genreelemente ein, aber ohne den Kern seiner Geschichte zu vergessen. Diese Mischung aus Horror und Drama funktioniert ausgesprochen gut.

A-Mian (Chuan Wang) ist eine einsame Hausfrau, deren Ehemann und Tochter (Yuu Chen) immer unterwegs sind und sie scheinbar vergessen haben. Eines Tages beschließt sie, sich etwas Neuem zuzuwenden und besucht den Ping-Pong-Club ihrer alten Schulfreundin (Ying-Xuan Hsieh). Doch irgendwas scheint mit diesem Frauenclub nicht zu stimmen.

Ying-Xuan Hsieh

Der taiwanesische Regisseur und Drehbuchschreiber Chuang Shiang An präsentiert uns mit „Mama Pingpong Social Club“ einen Kurzfilm, der sich klar im Genrebereich bewegt. Doch dadurch, dass er dies mit Drama-Elementen und einem gesellschaftlich relevanten Thema kombiniert, funktioniert der nicht nur im genreliebenden Westen, sondern auch in Taiwan, wo diese, wie schon der Kurzfilm „Love after Time“ (2017) von Tsai-Tsung Han noch eher zu den Ausnahmen gehören. Denn in erster Linie beschäftigt er sich mit einer Ehefrau und Mutter, die von ihrer Familie vernachlässigt wird und sehr einsam ist. Dies ist kein Einzelphänomen und verwurzelt die Geschichte nicht nur tief in Taiwan, sondern in vielen familiären Strukturen. Die Suche nach einem Ersatz ist dabei ebenfalls authentisch. Doch dann beginnt der Horrorpart und schafft es, souverän und mit Spannung die Geschichte weiter zu erzählen und den tendenziell eher westlichen Mythos auf dem Inselstaat und in dessen Kultur einzuweben. Bis zum Ende verliert er dabei nicht das Gefühl für Drama-Elemente und so schockiert das Ende nicht, sondern berührt den Zuschauer. Hervorzuheben ist auch die souveräne und handwerklich überzeugende Inszenierung und der wunderbar stimmigen Cast, mit Schauspielern, die in Taiwan auch die nötige Präsenz besitzen. Chuang Shiang An ist mit seinem Kurzfilm eine außergewöhnliche Mischung aus Drama und Fantasy gelungen, der u.a. an Jim Jarmuschs „Only lovers left alive“ (2013) erinnert, der diesen Spagat ebenfalls wunderbar hinbekommen hat. 

Chuan Wang

Fazit: Chuang Shiang Ans Kurzfilm „Mama Pingpong Social Club“ ist ein großartiger Mix aus Drama und Genrefilm. Unerwartet und mit dem richtigen Gespür für die Inszenierung erzählt er einen bekannten Mythos auf neue Art und baut typisch taiwanesische Elemente mit ein. Das macht den Kurzfilm nicht nur unterhaltsam, sondern eindringlich und unvergesslich.

Bewertung: 8,5/10

Trailer zum Kurzfilm „Mama Pingpong Social Club“:

Geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

2 Gedanken zu “„Mama Pingpong Social Club“ (2018)

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