„F for Freaks“ (2019)

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Kurzfilm / Deutschland / Fiktion / 2019

Filmkritik: Der deutsche Kurzfilm „F for Freaks“ der Regisseurin Sabine Ehrl ist eine gelungene Dystopie und ein schöner Ausflug ins Genre, der aber genauso sozialkritische Töne aufnimmt. Damit konnte er die Zuschauer u.a. auf den Filmfestivals in Dresden, Bamberg und Regensburg wunderbar unterhalten.

Die 70-jährige Gabriela (Ursula Werner) ist todkrank und ihre einzige Chance geheilt zu werden, ist eine neue Lunge zu erhalten. Doch um diese zu bekommen, muss sie mehr tun, als sie vorher erwartet hat. Denn zuerst einmal muss sie mit drei Kopfgeldjägern (Gerhard Zint, Katharina Nesytowa und Paul Boche) losziehen, um das notwendige Ersatzteil zu beschaffen.

Die Filmemacherin Sabine Ehrl (*1987), die seit 2014 an der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf studierte, führte bei ihrem 30-minütigen Abschlussfilm nicht nur Regie, sondern schrieb auch das Drehbuch dazu. Die Idee dazu hatte sie in einem Traum und zusammen mit weiteren Elementen nahm diese immer mehr Form an, sodass diese düstere Dystopie entstanden ist. In einem scheinbar zeitlosen Rahmen, wo Vergangenes auf Zukünftiges trifft, ist die Gesellschaft verroht und nutzt andere Lebewesen schamlos für ihre Zwecke aus. Der Kurzfilm kann natürlich

Ursula Werner

nur einen Auszug zeigen, aber der Zuschauer erfasst instinktiv die Entwicklungen unserer Zeit. Dabei ist alles heruntergekommen, schmutzig und die Menschen sind verwahrlost, nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich. Die eigenen Triebe zu befriedigen oder alles fürs Überleben zu tun, steht im Vordergrund. Um diese Welt vollends zu skizzieren, erdachte sich Ehrl die Idee der Kleinen Menschen, die hier für all die bösen Triebe der Menschen herhalten müssen. Dieses fantastische Element kombiniert mit dreckiger Retro-Science-Fiktion bietet die perfekte Grundlage für die Geschichte, welche auch optisch perfekt umgesetzt wurde. Hinzu kommen die stimmige tonale Ausgestaltung, realitätsnahe Dialoge und ein hervorragender Cast, welcher es in kürzester Zeit schafft die Charaktere zum Leben zu erwecken. Fantastisch ist auch, dass sie Ursula Werner, bekannt aus vielen Filmen u.a. „Der Junge muss an die frische Luft“ (2018), für das Projekt gewinnen konnte. Diese spielt die Hauptrolle wunderbar unprätentiös und echt, sodass das Grauen dieser Welt an die Zuschauer spürbar weitergegeben wird. Ihr Rolle ist der gelebte Konflikt, einer Person, die das Ganze abstoßend findet, aber selbst zum System gehört. Im Gesamten ist „F for Freaks“ herausragend und offenbart das große Talent der Regisseurin Ehrl. Hoffentlich bleibt sie der von ihr geschaffenen Welt noch etwas treu, denn man möchte auf jeden Fall mehr davon sehen.

Paul Boche und Aleksandra Cwen

Fazit: Der Genre-Kurzfilm „F for Freaks“, angesiedelt zwischen Horror und Dystopie, überzeugt als Gesamtpaket. In nur 30 Minuten schildert die Regisseurin und Drehbuchautorin Sabine Ehrl eine dreckige Zukunftswelt. Dabei weiß sie mit der Lust am Erzählen Missstände anzuprangern, eine traurige Dystopie zu zeichnen und trotzdem mit fantastischen Elementen und Spannung perfekte Unterhaltung abzuliefern.

Bewertung: 9/10

Trailer zum Kurzfilm „F for Freaks“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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