Acht Fragen an Sophie Linnnenbaum (2021)

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Interview: Im Gespräch mit der Filmemacherin Sophie Linnenbaum, die bisher viele Kurzfilme („Meinungsaustausch“ (2016), „Pix“ (2017), „Rien ne va plus“ (2017), „Das Mensch“ (2018)) und die Serie „Deutscher“ (2020) gedreht hatte, konnten wir mehr über ihre Dokumentation „Väter unser“ erfahren, die ihre Weltpremiere auf dem 42. Filmfestival Max Ophüls Preis feierte, erfahren. Wie das laute Niesen des eigenen Vaters den Einstieg des Films bildet, warum sie sich für eine einfache optische Ausgestaltung entschied und wie sie ihre Gesprächspartner fand.  

Bisher hast Du vor allem fiktive Stoffe verfilmt – wie entstand die Idee einen Film über Väter zu drehen? War Dir schnell klar, dass eine Gemeinsamkeit – das laute Niesen – in den Film einleiten sollte?

Mein Vater niest sehr laut und immer wenn ich das in einer Runde großspurig erzählt habe, gab es mindestens einen, der mich mit einem noch lautniesenderen Vater übertrumpfen wollte. Dieses geschichtenhafte, sympolische, stückhafte – diese Möglichkeit der Reduktion auf den kleinsten gemeinsamen Vater-Nenner war für mich ein Ausgangspunkt für die Suche nach einer allgemeinen Vaterfigur. Während Mütter (zumindest im alten Rollenmodell) oft eine Art fließende Konstanten sind, tauchen Väter häufig eher in Momentaufnahmen auf, glänzen in An- und Abwesenheiten, als Helden oder Ungeheuer. Diesem diffusen Vaterwesen wollte ich näher kommen – es gemeinsam mit den ProtagonistInnen in seine privaten Einzelteile zerlegen und dadurch vielleicht wieder eine Ahnung von dem Ganzen bekommen.

Wie hast Du Deine Gesprächspartner gefunden?

Durch sehr unterschiedliche Wege. Ich habe Anzeigen im Internet geschaltet und darüber Menschen gesucht, die Lust haben sich mit mir zu unterhalten. Außerdem habe ich Freunde und Bekannte gefragt.

Kannst Du mir mehr zum Auswahlprozess Deiner GesprächspartnerInnen erzählen? Wie viele Gespräche hast Du geführt und warum hast Du Dich schlussendlich für diese sechs entschieden?

Ich habe insgesamt 42 Interviews geführt. Der Prozess aus diesen 42 Geschichten letztlich diesen Film zu erschaffen, war ein längerer, sensibler Prozess, gemeinsam mit den Editoren Vincent Tirpitz und Martin Wunschick. Vincent und ich haben zuerst Teile der Interviews herausgesucht die besonders in uns nachgeklungen haben und immer wiederkehrende Geschichtsmuster herausgearbeitet. Der Versuch so eine Essenz der Interviews zu schaffen, wurde aber zu kleinteilig und ordnete sich zu sehr den inhaltlichen Übereinstimmungen unter. Also haben wir uns mehr auf einzelne ProtagonistInnen konzentriert, was dann letztlich zu diesen sechs Geschichten geführt hat, die alle ihre eigene Kraft und Richtung haben, die aber auch gemeinsam als Gruppe miteinander schwingen und ineinandergreifen.

Kannst Du mir mehr zu Deiner reduzierten Bildsprache erzählen?

Die Bilder so formal schlicht zu halten war für uns von vornherein klar, da es darum ging etwas scheinbar Unsichtbares sichtbar zu machen. Für mich entstehen die Bilder zwischen den Wörtern, in den Gesichtern, in den Köpfen der Zuschauern.

Hat sich Deine Sicht auf Väter und ihren Stellenwert danach geändert?

Ich bin mir bewusst, dass der Kreis an Menschen, die ihre Geschichte mit mir geteilt haben, keine repräsentative Stichprobe ist. Es war dennoch eindrücklich zu spüren, wie unglaublich belastbar die Liebe ist, die Eltern ihren Kindern schenken. Ihre Bereitschaft zu Verstehen und Verzeihen ist beinahe grenzenlos – das hat mich sehr berührt.

Haben die Portraitierten den Film schon gesehen?

Ja. Es war und ist ein sehr schöner Austausch mit und unter den Portraitierten.

Wie wird es mit Deinem Film nach seiner Premiere auf dem Filmfestival Max Ophüls Preis 2021 weitergehen?

Wir werden weiter auf Festivals einreichen und freuen uns, wenn der Film weiter gesehen werden kann.

Wie geht es nach vielen Kurzfilmen, der Serie „Deutscher“ und dieser Dokumentation nun weiter? Sind bereits neue Projekte geplant?

Letzten Herbst durfte ich ein paar Folgen der Webserie „DRUCK“ drehen, gerade habe ich meinen Abschlussfilm abgedreht und gehen jetzt in den Schnitt. Ich freue mich auf all die Dinge, die jetzt kommen werden. :)

Die Fragen stellte Doreen Matthei

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Väter unser

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