„Väter unser“ (2021)

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Filmkritik: Welchen Stellenwert nimmt der eigene Vater im eigenen Leben ein? Dieser Frage geht die Regisseurin Sophie Linnenbaum, bekannt für ihre Kurzfilme wie „Meinungsaustausch“ (2016), „Pix“ (2017), „Rien ne va plus“ (2017), „Das Mensch“ (2018) sowie ihre Serie „Deutscher“ (2020) in ihrem ersten Dokumentarfilm „Väter unser“ (Deutschland, 2021), der seine Weltpremiere auf dem 42. Filmfestival Max Ophüls Preis feierte, nach.

Mit sechs Frauen und Männern spricht die Regisseurin Linnenbaum über deren Väter und welchen Platz sie in deren Leben einnehmen. Sie erzählen von Strenge, Liebe, Abweisung und Nähe. Mit viel Offenheit berichten sie von ihren Erlebnissen als Kind und Erwachsene und machen die Figur des eigenen Vaters greifbar. Sie gehen dabei auch auf Fragen nach dem gemeinsamen Leben mit ihm ein und wie er sich selbst als Teil der Familie ausmacht. 

Aus 42 Gesprächen wählte die Regisseurin Sophie Linnenbaum (*1986) ihre GesprächspartnerInnen aus. Vor schwarzem Grund und mit der Kamera ganz auf die InterviewpartnerIn konzentriert, setzt sie das Gesagte in Szene. Über die 76 Minuten Filmlänge bleibt sie dem Konzept treu und hört, wie auch die ZuschauerInnen, einfach zu. Die Portraitierten erzählen dabei von ihrem ganz persönlichen Standpunkt aus die Geschichte des eigenen Vaters und von ihrem Verhältnis zu ihm. Linnenbaum beschäftigt sich so mit einer kleiner Leerstelle in der Rezeption von Familie. Während Mütter oft im Mittelpunkt stehen und präsent sind, sind Väter oft nicht da oder haben nicht den gleichen Stellenwert. Indem sie nun von persönlichen Vatergeschichten erzählt, fängt sie auch das Universelle ein. Dabei greift sie besondere Geschichten heraus und mit viel Gefühl wird das Publikum Zeuge davon, wie sich die Interviewten mit ihrem eigenen Vater auseinandersetzen. Doch trotz des sehr persönlichen Standpunkts kann man als ZuschauerIn das Verhalten des eigenen Vaters und die Beziehung zu ihm in der einen oder anderen Geschichte wiedererkennen. Aber vor allem über die Offenheit und gelungene Zusammenstellung der Gesprächspartner hält der Film trotz seines reinen Interviewcharakters das Interesse über die 76 Minuten aufrecht und man erhält bewegende Einblicke, welche nachdenklich stimmen und lange in einem widerhallen.

Fazit: Die Dokumentation „Väter unser“ ist ein reiner Interviewfilm, in dem die Regisseurin zusammen mit sechs GesprächspartnerInnen über Väter, deren Platz in der Familie und im eigenen Leben unterhält. Dafür wählt die Regisseurin einen sehr zurückgenommen visuellen Ansatz und lässt die Personen mit vielen verschiedenen Emotionen über ihre Väter reden. So ist der Film bis zur letzten Minute auf seine Weise spannend und mitreißend und evoziert bei den BetrachterInnen selbst eine Beschäftigung mit dem eigenen Vater. 

Bewertung: 7,5/10

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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