„The Power of the Dog“ (2021)

Filmkritik: Einer der großen Oscarfavoriten, der nur eine Trophäe mit nach Hause nehmen konnte, war der Western „The Power of the Dog“ (OT: „The Power of the Dog“, Neuseeland, Australien, 2021) aus der Hand von Jane Campion, der Regisseurin, welche mit ihrem Film „Das Piano“ als erste Frau die Goldene Palme des Filmfestivals von Cannes gewinnen konnte. Nun kehrt sie nach längerer Pause mit ihrem neuesten Film auf die Streamingplattform Netflix zurück.

Montana, 1925: Die beiden Brüder Phil (Benedict Cumberbatch) und George Burbank (Jesse Plemons) führen seit Jahren sehr erfolgreich eine Ranch und konnten es zu einem gewissen Wohlstand bringen. Als sie eines Tages in der Stadt der Witwe Rose (Kirsten Dunst) begegnen, beschließt George sein Leben zu ändern und heiratet sie. Rose zieht zusammen mit ihrem Sohn Peter (Kodi Smit-McPhee) auf der Ranch ein. Phil ist davon überhaupt nicht begeistert und stört so gut es geht das neue Glück.

© 2021 Cross City Films Limited

Benedict Cumberbatch und Kodi Smit-McPhee

Die neuseeländische Regisseurin Jane Campion hat seit ihrem Film „Bright Star“ vor 13 Jahren keinen Spielfilm mehr realisiert. Jetzt kehrt die Oscar-nominierte Regisseurin zurück und erzählt nach einem eigenen Drehbuch einen ganz anders gelagerten Western aus den 1920er Jahren mitten in Montana, USA. Sie adaptiert dabei den Roman „Die Gewalt der Hunde“ (OT: „The Power of the Dog“) von Thomas Savage (1915-2003). Der Autor erzählt darin die stark autobiographisch gefärbte Geschichte von Peter und beschäftigt sich mit dem Verhältnis von Homophobie und unterdrückter Homosexualität. So kam es im Vorfeld des Films auch immer wieder zu Vergleichen mit „Brokeback Mountain“ (2005), doch steht eben keine versteckte Liebe im Zentrum des Geschehens, sondern die Unterdrückung der eigenen Persönlichkeit. In dem auf den ersten Blick sehr ruhigen Film baut Campion viele Themen ein, liefert aber ebenso ein gelungenes Portrait der Zeit und führt die Geschichte langsam zu ihrem dramatischen Höhepunkt.

© 2021 Netflix, Inc.

Benedict Cumberbatch und Jesse Plemons

Visuell ist der Western ebenfalls ein Hochgenuss. Die Regisseurin Campion hält zusammen mit ihrem Kameramann Ari Wegner die Weiten der Landschaften genauso fest, wie die verschiedenen Welten, in denen sich die Figuren bewegen. Die karge Landschaft mit ihrer (vor allem bei der Arbeit als Viehtreiber) damit einhergehenden Monotonie, aber auch die Schönheit wird genauso gut eingefangen, wie die Zeit im Allgemeinen. Die Ausstattung, die Kostüme und das ganze Lebensgefühl transportiert der Film hervorragend und macht so auch die Gefühle der Protagonist:innen, die sie selten nach außen lassen dürfen, deutlich. Ein starres Gerüst aus Gegebenheiten sowie Erwartungen bestimmt das Miteinander und das spiegelt sich auch in der formalen Ausgestaltung wieder. Darin bewegen sich die Darsteller:innen sehr souverän. Bis in die kleinste Nebenrollen hinein ist der Film stark besetzt. Niemals sah man Benedict Cumberbatch („Sherlock“ (2010-2017), „Der Mauretanier“ (2021), „Spider-Man: No Way Home“ (2021)) so bärbeißig und Kirsten Dunst („Interview mit einem Vampir“ (1994)) so zurückhaltend. Doch auch Jesse Plemons („Die Verlegerin“ (2017), „I’m thinking of Ending things“ (2020)) und Kodi Smit-McPhee („Let me in“ (2010)) überzeugen in ihren Rollen und lassen die Tiefe der Figuren erkennen. So überrascht es nicht, dass alle vier für Oscars nominiert waren. Doch schlussendlich erhielt nur die Regisseurin für ihre Leistung den Oscar.

© 2021 Netflix, Inc.

Kodi Smit-McPhee

Fazit: „The Power of the Dog“ ist der neunte Spielfilm der Regisseurin Jane Campion, die darin einen einfühlsamen, harten Western vom Beginn des 20. Jahrhunderts erzählt. Mit einem gelungenen Cast und tollen Filmaufnahmen benutzt sie das Genre für ihre Themen und konnte damit auf der 94. Oscarverleihung von zwölf Nominierungen nur den Oscar für die ‚Beste Regie‘ gewinnen.

Bewertung: 6,5/10

Kinostart: 18. November 2021 / DVD-Start: –

Trailer zum Film „The Power of the Dog“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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