„Civil War“ (2024)

Doreen Kaltenecker
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Filmkritik: Alex Garland, der bereits als Roman- und Drehbuchautor sich einen Namen gemacht hat, erzählt mit seiner vierten Regiearbeit „Civil War“ (OT: „Civil War“, USA/UK, 2024) von einer düsteren Zukunftsvision, dem Zerfall Amerikas und dem Stellenwert von Journalismus in solch einer Zeit.

Die USA stehen vor einem großen Wandel. Der unbeliebte Präsident ist kurz davor, gewaltsam von den Rebellengruppen abgesetzt zu werden. Die Fotografin Lee (Kirsten Dunst) und der Reporter Joel (Wagner Moura) sehen ein kleines Zeitfenster, um ein Interview mit dem Noch-Präsidenten zu erhalten. Jetzt müssen sie nur noch unbeschadet nach Washington, D.C., kommen. Eher unfreiwillig lassen sie zu, dass sich ihr älterer Kollege Sammy (Stephen McKinley Henderson) und die sehr junge, stürmische Jessie (Cailee Spaney) sich ihnen anschließen. Zusammen machen sie sich auf den Weg, erleben den Bürgerkrieg hautnah und geraten auch hier und da in die Schussbahn. Während sie immer wieder aufgehalten werden, schließt sich langsam ihr Zeitfenster, um ein Interview zu erhalten.

Ein Faible für Dystopien oder auch Utopien, die umschlagen, hatte Alex Garland schon immer, sei es als Autor („The Beach“ (2000)), Drehbuchautor („28 Days Later“ (2002)) oder Regisseur („Ex Machina“ (2014), „Devs“ (2020), „Men – Was dich sucht, wird dich finden“ (2022)). Auch in seinem vierten Spielfilm, für den er auch das Drehbuch schrieb, schuf er eine Dystopie. In einer nahen, aber nicht bestimmten Zukunft befinden sich die USA kurz vor ihrem Kollaps. Viele selbstverständliche Grundwerte und demokratische Strukturen wurden aus ihren Angeln gehoben. Auch technologischer Fortschritt wie das Internet ist unzuverlässig. So konzentriert er sich auf Journalist:innen, deren analoges Medium heutzutage für einige nicht mehr zeitgemäß wirkt. Aber genau so eine Truppe, die fotografiert und schreibt, die das Internet nur zum Hochladen und Versenden braucht und die direkt an die inneramerikanische Frontlinie geht, begleitet das Publikum. Dabei gibt es wenige Einordnungen der Geschehnisse, stattdessen erlebt das Publikum gemeinsam mit ihnen, wie sich Kriegsberichterstattung an einem unerwarteten Ort anfühlt. Die Anspannung, welche der Film von Anfang an vermittelt, bleibt stets erhalten, auch wenn die Protagonist:innen manchmal es von sich abfallen lassen können. Das Publikum jedenfalls atmet hier nie auf. Die Schieflage, die Bedrohung und auch die Angst manifestieren sich so stark in den Bildern, dass einem ständig der Atem stockt. Garland wird dann auch explizit, was die Wirkung verstärkt. So entstand ein ungewöhnlicher Kommentar zur aktuellen politischen Situation mit schwer zugänglichen Figuren, die man ständig fragen möchte, warum sie sich das antun. Der Film fesselt mit viel Kraft und Spannung und schafft es, zu berühren, meist auf melancholische oder bestürzende Weise. 

Stephen McKinley Henderson und Wagner Moura

Die Inszenierung von Garland ist dabei sehr souverän. Locations und Ausstattung sind realistisch gewählt, so dass der Zeitbezug klar zur heutigen Zeit gegeben ist. Das verstärkt die Wirkung der drastischen Ereignisse, welche meist ohne Vorwarnung den Protagonist:innen und dem Publikum widerfahren. Hinzu kommt ein gelungenes Sound-Design und ein stimmiger Musikeinsatz, wie man das von dem Filmemacher gewohnt ist. Besetzt ist der Film ebenfalls stark. Kirsten Dunst („Interview mit einem Vampir“ (1994), „The Power of the Dog“ (2021)) als desillusionierte und erschöpfte Kriegsfotografin, Wagner Moura als ihr stürmischer Kollege, sowie Cailee Spaney („Priscilla“ (2024), „Alien: Romolus“ (2024)) als junger Heißsporn, die all dem noch so viel Positives abgewinnen kann, und Stephen McKinley Henderson („Lady Bird“ (2017), „Dune“ (2021)) als alternder Journalist. Jesse Plemons („Game Night“ (2018), „Kinds of Kindness“ (2024)) hat zudem einen kurzen, aber sehr intensiven Auftritt. 

Kirsten Dunst

Fazit: „Civil War“ ist der vierte Spielfilm des Regisseurs und Drehbuchautors Alex Garlands. Seine Dystopie ist nah an der Jetzt-Zeit dran und versetzt das Publikum in ein ungewohntes Kriegsgebiet. Auf den Punkt inszeniert und gut gespielt zieht einen der Film sofort in den Bann und lässt die Anspannung bei den Zuschauer:innen erst beim Abspann wieder abfallen.

Bewertung: 8,5/10

Kinostart: 18. April 2024

Trailer zum Film „Civil War“:

geschrieben von Doreen Kaltenecker

Quellen:

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