„Old“ (2021)

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Filmkritik: Mit „The Sixth Sense“ etablierte sich der Regisseur M. Night Shyamalan und seine Film katapultierte sich in die obere Reihe des Mystery-Thriller-Genre. Auf diesen Spuren wandelt er bis heute und baut in jedem seiner Spielfilme immer einen großen Kniff mit ein. Auch in seinem mittlerweile 14. Spielfilm „Old“ (OT: „Old“, USA, 2021) wird er seinem Ruf gerecht und schuf wieder ein Werk, dass sich genau die für ihn bekannte Elemente bedient.

Die Familie Cappa will noch einmal zusammen in den Urlaub fahren, bevor Guy (Gael García Bernal) und Prisca (Vicky Krieps) ihren Kindern Trent (Nolan River) und Maddox (Alexa Swinton) mitteilen, dass sie sich scheiden lassen werden. In einem idyllischen Ressort scheinen alle ihre Urlaubs-Träume wahr zu werden, spätestens als sie an einen geheimen Strand geführt werden, an dem sich nur wenige Menschen aufhalten. Doch schnell wird klar, dass hier etwas nicht stimmt: Die Zeit vergeht an diesem Ort viel schneller, die Kinder schießen in die Höhe und auf einmal macht sich auch Prisca Krebserkrankung bemerkbar.

Gael García Bernal, Thomasin McKenzie, Ken Leung, Aaron Pierre, Abbey Lee, Vicky Krieps, Rufus Sewell, Nikki Amuka-Bird

Auch in seinem 14. Spielfilm, nach Filmen wie „The Sixth Sense“ (1999), „Signs“ (2002), „The Village“ (2004), „The Visit“ (2015) und „Glass“ (2019) , bleibt sich der Regisseur M. Night Shyamalan (*1970) seiner Mischung aus Horror und Drama kombiniert mit meist ernsten Themen wie Umweltzerstörung, Trauer oder in diesem Fall Krankenheiten, treu. Auch in dieser Geschichte, welche eine Adaption der Graphic Novel „Sandburg“ (2010) von Pierre Oscar Lévy und Frederik Peeters ist, steht eine Familie im Vordergrund seiner Geschichte. Die Familie Cappa ist vor dem Beginn der eigentlichen Handlung ein klarer Verankerungspunkt. So lernen wir sie mit ihren Problemen und dem schwierigen Miteinander kennen. Erweitert wird es dann um zwei weitere Familien. So stehen hier ganz klar der Mensch und das Zwischenmenschliche im Fokus. Der Horror passiert im gesamten Film eher nebenbei und in ganz leisen Tönen. Je weiter die Geschichte fortschreitet, umso mehr macht sich ein anderes Gefühl breit. Mit der finalen Resignation gegenüber der Situation übernimmt Schwermut den Ton des Films. Die dem Film innewohnende Botschaft wird aber genau über diese Melancholie übertragen. Auch der Twist ganz am Ende ändert nichts an dem eigentlichen Kern, der sagt, dass man das Leben so gut wie möglich im Hier und Jetzt leben soll und nicht zu viel Gram an sich heranlassen soll.

Aaron Pierre und Thomasin McKenzie

Die zutiefst menschliche Botschaft und die äußerst gelungene Stimmung wird wunderbar unterstrichen von der formalen Umsetzung. Während der Strand am Anfang die unheimliche Gefahr symbolisiert, vor der es kein Entkommen gibt, verändert sich die Wahrnehmung zusammen mit der Stimmung der ProtagonistInnen, die ab einem gewissen Punkt ihr Schicksal angenommen haben. Gedreht wurde dabei in der Dominikanischen Republik und es ist der perfekte Ort für diese Geschichte. Auch der Cast kann sich sehen lassen, so überzeugt der mexikanische Darsteller Gael García Bernal („Amores Perros“ (2000), „No!“ (2012)) als liebender Vater und Vicky Krieps („Outside the Box“ (2015), „Der seidene Faden“ (2017)) als Mutter, die ein neues Leben beginnen will. Viel Unheimlichkeit bringt Rufus Sewell als psychisch labiler Badegast mit sich und auch den Regisseur selber kann man wieder in einer kleinen Rolle sehen. Durch und durch ist der Film stimmungsvoll umgesetzt, doch sollte man wissen, dass man hier nicht einen Suspense-Thriller oder Horrorfilm zu sehen bekommt. Denn trotz einiger dafür typischer Elemente, handelt es sich um ein ruhiges Drama über das Leben. Als dieses funktioniert der Film sehr gut und hinterlässt einen melancholischen Abdruck bei den ZuschauerInnen.

Thomasin McKenzie, Gael García Bernal, Vicky Krieps, Luca Faustino Rodriguez

Fazit: Der amerikanische Spielfilm „Old“ von M. Night Shyamalan wartet zwar mit einem typischen Twist, wie man das von den Regisseur erwartet, auf, aber die eigentliche Stärke liegt im Transport seiner melancholischen Stimmung, dem Hoch auf die Kostbarkeit des Lebens und in der gelungenen Dynamik der Menschen untereinander gepaart mit ein paar fantastischen Elementen.

Bewertung: 7/10

Kinostart: 29. Juli 2021 / DVD-Start: noch unbekannt

Trailer zum Film „Old“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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