„Nightmare Alley“ (2021)

Filmkritik: Für dunkle Mären hat der mexikanische Regisseur Guillermo del Toro schon immer eine Vorliebe. In „Pans Labyrinth“ (2006) überraschte er das Publikum mit einer gelungenen Mischung aus Kriegsdrama und Fantasy-Geschichte. 2018 gewann der Regisseur mit „The Shape of Water“ (2017), einer dunklen aber wunderschönen Liebesgeschichte, vier Oscars u.a. als ‚Bester Film‘. Nun folgt mit „Nightmare Alley“ (OT: „Nightmare Alley“, USA, 2021) sein mittlerweile elfter Film, der sich ebenfalls ein Schauermärchen als Vorlage nimmt.

Nachdem Stanton Carlisle (Bradley Cooper) sein altes Leben hinter sich gelassen hat, heuert er bei Brunos (Ron Perlman) Wanderzirkus an. Clem (Willem Dafoe) gibt ihm bei sich Arbeit. Doch lieber verbringt er die Zeit mit der jungen Molly (Rooney Mara) oder dem Paar Zeena (Toni Colette) und Pete (David Strathairn), welche eine Hellseher-Nummer zum Besten geben. Er lässt sich von Pete darin unterrichten und wird mit der Zeit immer besser. So beschließt er sich zusammen mit Molly selbstständig zu machen. Bei einer ihrer Shows begegnet ihnen die mysteriöse Lilith (Cate Blanchett), welche versucht den Hellseher zu entlarven. Nach dem Auftritt treffen die beiden sich wieder und erkennen wie ähnlich sie sich doch sind und wie sie das zu ihrem Besten nutzen können.

Bradley Cooper und Rooney Mara

In seinem neuesten Film adaptiert der mexikanische Regisseur Guillermo del Toro (*1964) den gleichnamigen Roman des Autors William Lindsay Gresham (1909-1962) aus dem Jahr 1947. Diese düstere Geschichte wurde bereits 1947 („Der Scharlatan“) verfilmt. Nach einem eigenen Drehbuch, was er zusammen mit Kim Morgan geschrieben hat, belässt Guillermo del Toro die Geschichte in ihrer ursprünglichen Zeit – in den Jahren um den Zweiten Weltkrieg herum – und belebt das Genre des Schauermärchens noch einmal neu. Mit dem typischen Einbau düsterer wie fantastischer Elemente, wobei hier alles in der Realität verankert ist, erzählt er die Geschichte des unsympathischen Stan, der sich rücksichtslos seinen Weg durchs Leben schlägt. Doch diese Charakterentwicklung und auch die Fallhöhe sind dabei nichts Neues und bieten wenig Anknüpfungspunkte. So verliert die Geschichte ab der zweiten Hälfte konsequent durch ihre unabwendbare Abwärtsspirale an Spannung und gleichzeitig ist es anstrengend, dass die meisten Figuren, so gut sie auch gespielt wurden, viel zu eindimensional und sinister sind. So ist man in einer dunklen, kalten Welt, in die man einfach nicht zu lang eintauchen möchte, 150 Minuten gefangen, deren Ende man zudem auch noch erahnen kann.

Cate Blanchett und Bradley Cooper

Was den Film dann trotzdem sehenswert macht, sind rein äußerliche Schauwerte und eine gelungene Inszenierung. Die Schauplätze, seien es die Zirkuswelt oder auch die späteren städtischen Spielorte, sind perfekt ausgewählt, arrangiert und im schönsten Zeitkolorit getaucht, so dass man sich auf den perfekt arrangierten Kamerafahrten gern dieser Welt hingibt. Abgerundet von der Ausstattung, den Kostümen und der Figuren-Ausgestaltungen entstand hier eine Welt, an der man sich nicht satt sehen kann. Das passt dann auch zu dem perfekt abgestimmten Score von Nathan Johnson („Knives Out – Mord ist Familiensache“ (2019)). In diese Welt wurde auch der Cast gut intergriert. Die Nebenrollen u.a. auch Ron Perlman („Alien – Die Wiedergeburt“ (1997), „Hellboy“ (2004)), David Strathairn („Alphas“ (2011-2012), „Nomadland“ (2020)), Toni Colette („About a Boy“ (2002), “Hereditary” (2018), „Unbelievable“ (2019), „Knives Out – Mord ist Familiensache“ (2019)),  Holt McCallany („Mindhunter“ (2017-2019)), Willem Dafoe („Platoon“ (1986), „Tiefseetaucher“ (2004), „The Florida Project“ (2017), „Spider-Man: No Way Home“ (2021)) und Richard Jenkins („Six Feet Under“ (2001-2005), „The Shape of Water“ (2017)) sind hervorragend besetzt und spielen ihre Figuren (wenn auch in einem etwas starren Korsett) sehr gut. Die Hauptrollen sind ebenfalls gut mit Bradley Cooper („The Mule“ (2018), „Licorice Pizza“ (2022)), Rooney Mara („A Nightmare on Elm Street“ (2010), „A Ghost Story“ (2017) und Cate Blanchett („Ocean’s 8“ (2018), „Bernadette“ (2019)) besetzt, aber hier spürt man etwas mehr, dass sie in einer älteren Geschichte gefangen sind, in der sie einfach die Rollen u.a. der bösen Femme Fatale und des naiven Unschuldsengels spielen müssen. Gerade für die Frauenfiguren wäre eine Transformation in die heutige Zeit wohltuend gewesen. So bietet „Nightmare Alley“ tolle Schauwerte, doch lässt es an einer originellen Geschichte, etwas mehr knackiger Kürze, Spannung sowie Identifikationsfiguren missen.

Willem Dafoe und Bradley Cooper

Fazit: Der Spielfilm „Nightmare Alley“ ist eine Adaption eines Romans von William Lindsay Gresham. Der bekannte Regisseur Guillermo del Toro, dem wir die Filme „Pans Labyrinth“ und „The Shape of Water“ verdanken, macht daraus ein großes optisches Spektakel und lässt die ZuschauerInnen in eine vergangene, düstere Welt abtauchen. Doch leider schafft es der Film mit seiner zu bekannten, in die Länge gezogenen Geschichte und den unsympathischen Figuren nicht, die Spannung zu halten und damit auch das Interesse des Publikums an den Ereignissen. So kann man auch als eingefleischter Guillermo-del-Toro-Fan enttäuscht werden und der Film wird vermutlich auch leer ausgehen bei den Oscars, bei denen er viermal nominiert ist.

Bewertung: 5/10

Kinostart: 20. Januar 2022 / DVD-Start: 31. März 2022

Trailer zum Film „Nightmare Alley“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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