„Andrea lässt sich scheiden“ (2024)

Doreen Kaltenecker
Letzte Artikel von Doreen Kaltenecker (Alle anzeigen)

Filmkritik: Der Schauspieler, Kabarettist und Regisseur Josef Hader beschäftigt sich in seiner zweiten Regiearbeit nach „Wilde Maus“ (2017) nicht mehr mit den Stadt- sondern mit den Dorfmenschen. „Andrea lässt sich scheiden“ (Österreich, 2024) ist gespickt mit lakonischem Witz und viel Treffsicherheit und feierte unter großem Applaus auf der 74. Berlinale 2024 seine Premiere. 

Josef Hader gibt Autogramme

Die Polizistin Andrea (Birgit Minichmayr) sehnt sich danach, aus ihrem dörflichen Umfeld in Niederösterreich auszubrechen. Sie hat sich bereits in St. Pölten als Kriminalbeamtin beworben und ist kurz davor, ihre sieben Sachen zu packen. Nach der Geburtstagsfeier ihres Kollegen Georg (Thomas Schubert) fährt sie aus Versehen ihren Beinahe-Ex-Mann Andy (Thomas Stipsits) an und begeht, nachdem sie festgestellt hat, dass er gestorben ist, Fahrerflucht. Sie rechnet schon mit ihrer Verhaftung am nächsten Tag, als sie erfährt, dass sich der Religionslehrer und trockene Alkoholiker Franz (Josef Hader) zu der Tat bekennt. 

Birgit Minichmayr und Josef Hader

Zusammen mit Florian Kloibhofer schrieb der Regisseur Josef Hader, den man zuallererst als Darsteller in den Brenner-Krimis wie „Komm, süßer Tod“ (2000) und auch in Maria Schraders „Vor der Morgenröte“ (2016) kennengelernt hat, eine Tragikomödie, die es weiß, Realität mit Humor zu verbinden. Wie schon bei der Auswahl der Drehorte liegt auch der Geschichte das Authentische zugrunde. Doch wird alles mit feinem Humor überzogen. Dafür braucht es nur ein genaues Hinschauen, ein vielseitiges Spiel aller Darsteller:innen und gelungene, pointierte Dialoge. Die Geschichte selbst ist dabei nicht neu, sondern erzählt vom Ausbrechen aus dem eigenen Leben und dem Entfliehen aus dem dörflichen Alltagstrott. Doch darauf kommt es gar nicht so sehr an. Der Film überzeugte vor allem in seiner genauen Darstellung der Menschen, ihrem Empfindungen und ihrem Miteinander. Die Tragik ist nicht der Tod, sondern die Gedanken und die Gefühle der Menschen. Aber auch der größte Quell für ein Miteinander und selbstverständlich Humor.

Birgit Minichmayr und Thomas Schubert

Die Optik schmiegt sich dabei wunderbar an die Geschichte an. Das fiktive Dorf ist in seinen Bestandteilen mehr als real. Die große Zwiebel auf der Verkehrsinsel ist dabei genauso wenig ausgedacht oder hinzugefügt, wie alle andere Schauplätze, die wie geschaffen sind für die Geschichte. Die Dorftristesse, auch mit etwas Charme, wird hier wunderbar eingefangen. In dieser Umgebung spielen die Darsteller:innen alle hervorragend. Der lakonische Witz liegt dabei allen Figuren, auch wenn sie schwer gebeutelt sind, zugrunde. Es ist schön, Birgit Minichmayr („Nur Gott kann mich richten“ (2017), „Die Goldfische“ (2019)) auch mal in einer nicht durch und durch ernsten Rolle zu sehen. Hader hat sich selbst eine tolle Rolle auf den Leib geschrieben. Auch darüber hinaus ist das Ensemble fantastisch: Mit dabei sind Thomas Schubert („Jungwild“ (2017), „Die Waschmaschine“ (2020), „Roter Himmel“ (2023)), Maria Hofstätter („Fuchs im Bau“ (2020), „Des Teufels Bad“ (2023), „Ein ganzes Leben“ (2023)), Robert Stadlober („Crazy“ (2000), „Taxi“ (2015)), Margarete Tiesel („Der goldene Handschuh“ (2019)) und Michael Pink („Fucking Drama“ (2017), „Rien ne va plus“ (2017), „Das Mensch“ (2018)). So entstand eine rundherum gelungene Tragikomödie mit dem – so möchte man sagen – schon jetzt typischen Hader-Witz, so dass man hofft, dass er auch weiterhin Geschichten erzählen möchte.

Josef Hader

Fazit: „Andrea lässt sich scheiden“ ist die zweite Regiearbeit des österreichischen Multitalents Josef Hader. Mit treffsicheren Witz, einer Geschichte von Selbstverwirklichung und über das dörfliche Leben und dem richtigen Gespür menschlichen Miteinanders entstand eine rundherum gelungene Tragikomödie

Bewertung: 9/10

Kinostart: 4. April 2024

Trailer zum Film „Andrea lässt sich scheiden“:

geschrieben von Doreen Kaltenecker

Quellen:

Kommentar verfassen