Jacques Tardi: Elender Krieg

@ Edition Moderne

Buchkritik: Wenn ein Comicautor in die französische Ehrenlegion aufgenommen werden soll, ist das schon außergewöhnlich. Eine wirkliche Bombe ließ Jacques Tardi platzen, als er die ihm angedachte Ehre rundheraus ablehnte. Doch wer sich Tardis Schaffen anschaut, zum Beispiel den Comic „Elender Krieg“, den wundert diese Reaktion nicht.

Der Große Krieg, das ist für unsere französischen Nachbarn (und auch die Engländer und Italiener) der Erste Weltkrieg. 2008, als die ersten offiziellen Überlegungen zum 100-jährigen Jubiläum des Krieges anfingen, brachte Tardi bereits den ersten Teil von „Elender Krieg“ (frz. Originaltitel: Putain de guerre!) heraus. Er erzählt die Jahre 1914 bis 1916. Der zweite Teil folgte 2009. Der Verlag Edition Moderne packt beide Teile plus einem sehr ausführlichen historischen Anhang von Jean-Pierre Verney zusammen.

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Tim Burton: Das traurige Ende des Austernjungen (2011)

@ Quadriga Verlag

Buchkritik: Filmmagier Tim Burton erzählt seine Geschichten einmal nicht in opulenten bewegten Bildern. Sondern in gereimten Kurzgeschichten. Die garniert er mit leicht krakeligen, ausdrucksstarken Zeichnungen. Wer dem makabren Witz von Tim Burtons Filmen verfallen ist, wird das kleine Büchlein berauscht lesen.

23 oft sehr kurze Geschichten vereinen sich im feinen Leineneinband mit Lesebändchen. Unter den Protagonisten tummeln sich Mumien und Giftkerle, ein Schmutzfink und eine Handvoll normal gestaltete Menschen, die sich bald schon einen Schaden zuziehen. So weit, so Tim Burton. Nicht wenige der Figuren erinnern an Helden aus seinen Filmen. Da gibt es Stöckchen, verliebt in Zündhölzchen. Während Zündhölzchen mit verführerischem Wimpernklimpern das Stöckchen in heiße Liebesglut stürzt, erkennt der Leser in den beiden Jack Skellington und Sally wieder.

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Christoph Hein: Glückskind mit Vater

@Suhrkamp Verlag

Halbe Rezension: Ein alter Mann erzählt seine Lebensgeschichte. Was nach absoluter Ödnis klingt, wird bei Christoph Hein zum mitreißenden Geschichtserlebnis. Gestern erschien der Roman. Auf der Internetseite des MDR Figaro liest ihn der Schauspieler Ulrich Matthes. Bis Ende nächster Woche kommt jeden Tag ein neues Stück dazu. Noch sind alle abrufbar und werden zum Schluss insgesamt knapp sieben Stunden Unterhaltung bieten.

Konstantin Boggosch heißt eigentlich Müller. Dass er den Namen des Vaters ablegte, das hat die Mutter nicht deshalb veranlasst, weil es Müllers wie Sand am Meer gibt. Nicht wegen der Beliebigkeit. Im Gegenteil wäre der Familienname Müller in dem kleinen Heimatstädtchen bekannt und eindeutig. Müller, das ist gleichbedeutend mit Kriegsverbrecher. Weiterlesen

Buchgeschichten. Wege zur Weltliteratur

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Das Cover ist so schön! @Edition Hamouda

Buchkritik: Achtung, dieses Buch verführt. Denn es macht nicht nur Spaß, es zu lesen, sondern die kurzen Abhandlungen verleiten auch dazu, das jeweils thematisierte Buch zu verschlingen. Nur am Lektorat hat es leider gemangelt.

Hinter „Buchgeschichten“ steht ein starkes Konzept. Die Studenten vom Institut der Buchwissenschaften an der Uni Leipzig sollten je einen Essay von wenigen Seiten zu einem wichtigen Werk der Weltliteratur verfassen. Einfach den Inhalt herunterleiern, galt nicht. Jeder Student sollte die interessanteste Geschichte rund um das ausgewählte Buch finden. Da gibt es die Übersetzungsgeschichte der Pippi Langstrumpf, die durch die irrsinnig biedere Übertragung in Frankreich erst phänomenal floppte. Im Vordergrund für die Besprechung der Buddenbrooks steht Zahnweh. Solche ungewöhnlichen Zugriffe lassen den Leser mit Spannung schmökern, was ihn eigentlich vielleicht abgestoßen hätte. Olle Schullektüre trifft auf geballte Erotik wie das Kamasutra oder die wunderbare Miss Marple. Es geht einmal quer über den Globus und durch die Geschichte.

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die bühne: Im schönsten Wiesengrunde

@Max Helm PhotoArts

 

 

Aufführungsbericht: Das Laientheater der TU Dresden nimmt sich der britischen Dramatikerin Sarah Kane an. Ihre Stücke sind mehr berüchtigt denn berühmt für ihre offene Gewaltdarstellung, für Brutalität, die aus allen Poren trieft. Wie wollen die Laien das darstellen, womit schon die Profis Probleme haben? Da soll der Schauspieler mitten auf der Bühne seinen Darm entleeren. Da werden Augen ausgesaugt und Dinge irgendwo hineingesteckt, wo sie nicht hineingehören. Für diese Schonungslosigkeit gewann Sarah Kane mehrere Preise, auch aus Deutschland. Dennoch nahm sich die depressive Britin 1999 das Leben. Sie wurde nur 28 Jahre alt. Ob ihr gefallen hätte, wie die Studenten ihr Werk verwursten?

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„Schau, was krabbelt im Wald?“ von Katarzyna Bajerowicz

@Naturkind, Loewe Verlag

Buchkritik: Wer bei einem reich illustrierten Buch für Kinder ab zwei Jahren an großflächige, quietschbunte Bilder mit wenig Geschichte dahinter denkt, liegt bei diesem Buch falsch. Es unterhält auch Erwachsene – und fordert sie.

Auf 28 stabilen Pappseiten erlebt der Leser ein Jahr aus Ameisensicht. Einerseits orientiert sich das Buch an der Natur, indem es zum Beispiel darstellt, wie Raupen sich verpuppen oder Ameisen die Blattläuse melken. Andererseits treten die Tierchen wie Menschen auf. Zum Blattlaus-Melken benutzen die Ameisen also Eimer, und immer wieder sieht man mal eine Ameise bei der Klopause. Dadurch gibt es unheimlich viel zu entdecken. Dass es eher gedeckte Farben sind, die da zum Einsatz kommen, erfreut die Eltern und trübt den Lesespaß der Kinder nicht ein.

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„ Anders“ von Andreas Steinhöfel

 

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Andreas Steinhöfel: Anders. Mit Illustrationen von Peter Schössow. @ Königskinder Verlag (Carlsen)

Buchkritik: Andreas Steinhöfel steht für Kinder- und Jugendbücher, in denen Realität steckt. In seinen Büchern gibt es selten Bilderbuchfamilien. Er hält es nicht für nötig, Kinder vor der Welt und dem Leben, das sich darauf abspielt, zu schützen. Das ist es, warum die ihn so lieben und sich die Lektüre auch für Erwachsene lohnt. Der warme Erzählton trägt seinen Teil dazu bei.

 

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“The World of Tim Burton” von Achim Sommer (Hrsg.) (2015)

© Max Ernst Museum Brühl des LVR

© Max Ernst Museum Brühl des LVR

Buchkritik: Der Ausstellungskatalog “The World of Tim Burton”, herausgegeben von Achim Sommer, ist der Begleitkatalog zur gleichnamigen Sonderausstellung im Max Ernst Museum in Brühl, welche vom 16. August 2015 bis 3. Januar 2016 gezeigt wurde. Das 120 Seiten lange, gebundene Buch mit Texten von Patrick Blümel, Tim Burton selbst und Jenny He ist eine gute Ergänzung und ein perfektes Souvenir zur gesehenen Ausstellung.

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“Dead Zone – Das Attentat” von Stephen King (1979)

© Verlagsgruppe Random House GmbH

© Verlagsgruppe Random House GmbH

Buchkritik: Die Verfilmung “Dead Zone” von 1983 mit Christopher Walken (Regie: David Cronenberg) und die Serie “Dead Zone”, welche 2002 bis 2007 ausgestrahlt wurde, wecken das Interesse von Cineasten, die sich fragen, wie ein einzelner Film oder gar eine ganze Serie aus einem Roman entstehen können.

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