Im Staatsschauspiel Dresden: Der gute Mensch von Sezuan

Aufführungsbericht: Ein Stück von Bertolt Brecht hat sich die junge Regisseurin Nora Schlocker für ihren Einstand in Dresden gewählt. Das ging damals bei Tilmann Köhler richtig gut (Heilige Johanna der Schlachthöfe 2009, preisgekrönt). Funktioniert es ein zweites Mal?

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Was kann man tun, um ein guter Mensch zu sein? Was muss man tun, um dabei selbst nicht unterzugehen? Eine famose Betty Freudenberg als Shen Te © Sebastian Hoppe

Die Bühne ist karg. Nur ein schmaler Streifen vorn bleibt anfangs zum Bespielen. Denn viel Platz wird den Armen, die dieses Stück bevölkern, von der Welt nicht eingeräumt. Es reicht für den Wasserverkäufer (Thien Phuoc Nguyen, im Wechsel mit Anton Petzold). Anton Petzold kennen einige vielleicht als Rico aus den „Rico, Oskar und …“-Verfilmungen. Der jüngere Thien Phuoc Nguyen steht ihm in nichts nach.

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Im Staatsschauspiel Dresden: Secondhand-Zeit

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Ein knappes Dutzend Laienschauspieler bringt uns die ehemalige Sowjetunion kurz vor und nach dem Zusammenbruch näher. © Matthias Horn

Aufführungsbericht: Die Bürgerbühne bearbeitet Texte von Swetlana Alexijewitsch und bringt sie ins Kleine Haus. Menschen, die aus der ehemaligen Sowjetunion stammen, tragen die Berichte der 2015er Literaturnobelpreisträgerin vor. „Leben auf den Trümmern des Sozialismus“ lautet der Untertitel der Regiearbeit von David Benjamin Brückel.

Es dauert ein wenig, bis man sich hineingehört hat. Bis auf einen Darsteller haben sie alle einen deutlichen Akzent. Tschaikowskis „Schwanensee“ läuft am Anfang und bleibt als musikalische Untermalung präsent. Weiterlesen

Im Theaterhaus Rudi: The Importance of Being Earnest

Aufführungsbericht: Die Laienspieltruppe „Eclectic Theatre“ bringt Oscar Wildes Komödie in englischer Originalsprache auf die Bühne. Die Dialoge sind rasant, Wildes Sprache geschliffen schön. Oscar Wilde selbst hielt „The Importance of Being Earnest“ für sein bestes Drama. Wer im Englischen nicht topfit ist, setzt sich besser so, dass er die Übertitel mitlesen kann.

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Langeweile im feinen Zwirn: Christoph Kunckel als Algernon (Algy). © Eclectic Theatre

England um 1900. Die saturierte Oberschicht langweilt sich gegenseitig. So ist der Londoner Algernon Moncrieff ganz froh, dass vor seiner Tante Augusta (herrlich streng: Luise Walter) und seiner Nichte Gwendolen noch ein alter Freund ins Haus geschneit kommt. Weiterlesen

Im Staatsschauspiel Dresden: Die Affäre Rue de Lourcine

Aufführungsbericht: Ein Fest für Freunde des humoristischen Hinfallens hat Michael Talke inszeniert. Er verbindet die rund 150 Jahre alte Komödie des Franzosen Eugène Labiche mit Slapstick der Stummfilmzeit. Das liegt dem Regisseur anscheinend besonders, passt aber auch sehr gut zu den Stücken Labiches, von denen zwei in den 1920er Jahren verfilmt wurden. Wer diesen Humor mag, den erwarten im Staatsschauspiel zwei Stunden feinster Unterhaltung.

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Torsten Ranft rechts als Lenglumé, niemals nackt, aber selten richtig angezogen. Links David Kosel als verwirrter Leidensgenosse © Sebastian Hoppe

Dazu tragen vor allem die wunderbar ausstaffierten Schauspieler bei. Torsten Ranft als Protagonist Lenglumé ist schlicht die perfekte Besetzung. Auch die anderen Schauspieler (die ich schändlicherweise nicht einzeln erwähne) sind mit Feuereifer dabei. Doch was spielen sie eigentlich?

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Im Staatsschauspiel Dresden: Hexenjagd

Aufführungsbericht: Man nehme einen Text von Arthur Miller, der perfekt zur aktuellen Lage passt. Dazu ein 16 Mann starkes (und wirklich starkes) Schauspielteam und zweieinhalb Stunden Zeit. Was erhält man? Dank der neuen Homepage-Gestaltung des Staatsschauspiels Dresden weiß das wirklich nur, wer sich das Stück ansieht. Oder diese Rezension liest.

Edit: Mittlerweile gibt es vom Staatsschauspiel wieder Videos! So auch von Hexenjagd.

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Ganz links: Ursula Hobmair als verleumderische Abigail Williams. In der Mitte die Rückansicht von Torsten Ranft als Richter. © Sebastian Hoppe

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”Bill Murray, Jan Vogler und Freunde” (2017)

4. Juni 2017 / Kulturpalast Dresden

© Decca Gold

Konzertbericht: Welcher Cineast liebt Billy Murray nicht? Ob nun seine Zuneigung schon bei “Agent Null Null Nix” (1997), “Und täglich grüßt das Murmeltier” (1993) und “Ghostbusters” (1984) entstanden ist oder erst mit der Kooperation mit Wes Anderson in Filmen wie “Die Tiefseetaucher” (2004). Auf jeden Fall ist die Konzert- und Lesereise, die der Schauspieler mit seinen 66 Jahren angetreten hat, ein Juwel für jeden Fan und war an einem Sonntagmorgen ein schöner Tagesbeginn für Musik- und Literaturfreunde. Weiterlesen

Spielzeitende am Staatsschauspiel Dresden (2016/2017)

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Feiern! (c) Daniel Koch

Noch drei Wochen, dann ist erst mal Schicht im Schacht: Das Theater geht in die Sommerpause und der neue Intendant Joachim Klement kommt nach Dresden. Was hat das Staatsschauspiel bis dahin noch zu bieten und welche Stücke sollte man noch schnell sehen? Hier eine kleine, selektive und subjektive Übersicht.

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Volksbühne Berlin: Baumeister Solness

Aufführungsbericht: Eine der letzten Inszenierungen des Altmeisters Frank Castorf ist es. Kultstück wird es genannt. Der Balla-Balla-Baumeister ist laut, bunt und eine pralle Tüte aus Banalitäten. Wer das Drama von Henrik Ibsen vorher nicht kannte, wird nach diesen langen vier Stunden auch nicht schlauer sein.

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Wer jetzt denkt: „Hä?“, weiß schon alles über das Stück. Solness (Marc Hosemann), Hilde (Kathrin Angerer), Hübchenpuppe, Solness‘ Ehefrau Aline (Daniel Zillmann) (c) Thomas Aurin für Volksbühne Berlin

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