„Schau, was krabbelt im Wald?“ von Katarzyna Bajerowicz

@Naturkind, Loewe Verlag

Buchkritik: Wer bei einem reich illustrierten Buch für Kinder ab zwei Jahren an großflächige, quietschbunte Bilder mit wenig Geschichte dahinter denkt, liegt bei diesem Buch falsch. Es unterhält auch Erwachsene – und fordert sie.

Auf 28 stabilen Pappseiten erlebt der Leser ein Jahr aus Ameisensicht. Einerseits orientiert sich das Buch an der Natur, indem es zum Beispiel darstellt, wie Raupen sich verpuppen oder Ameisen die Blattläuse melken. Andererseits treten die Tierchen wie Menschen auf. Zum Blattlaus-Melken benutzen die Ameisen also Eimer, und immer wieder sieht man mal eine Ameise bei der Klopause. Dadurch gibt es unheimlich viel zu entdecken. Dass es eher gedeckte Farben sind, die da zum Einsatz kommen, erfreut die Eltern und trübt den Lesespaß der Kinder nicht ein.

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Im Staatsschauspiel Dresden: Nathan der Weise

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Sultan Saladin (Matthias Reichwald) nimmt Nathan (Philipp Lux) in die Zange @ David Baltzer

Aufführungsbericht: Nathan, der altbackene Schinken, den wir aus der Schule kennen. Das einzig Spannende an dem erschien den meisten doch der Ort des Geschehens: Jerusalem. Der Schmelztopf, in dem der biedere Christ nicht nur auf Juden, sondern gar noch auf exotische Muselmane traf. Genau dieses letzten Funkens Exotik entkleidet sich der Dresdner Nathan. Das Bühnenbild zeigt sich puristisch modern (zuständig dafür: Ansgar Prüwer-LeMieux). Nicht einmal an den Kostümen lässt sich ablesen, welche Figur woran glaubt. Da gibt es keine Schläfenlocken und keinen Turban. Aber gerade deshalb begeistert es so: Schon bei den Kostümen fängt die Zertrümmerung der Vorurteile an. Wenn der muslimische Herrscher auf einmal genauso angezogen ist wie ein großer Teil des Publikums. Das allein reicht, um ohne einschneidenden Eingriff in den Text das ganze Stück ins Heute zu setzen (Dramaturgin Felicitas Zürcher nahm nur kleine Kürzungen vor). Denn dieser Text hat auch heute noch Pfeffer im Arsch.

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„ Anders“ von Andreas Steinhöfel

 

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Andreas Steinhöfel: Anders. Mit Illustrationen von Peter Schössow. @ Königskinder Verlag (Carlsen)

Buchkritik: Andreas Steinhöfel steht für Kinder- und Jugendbücher, in denen Realität steckt. In seinen Büchern gibt es selten Bilderbuchfamilien. Er hält es nicht für nötig, Kinder vor der Welt und dem Leben, das sich darauf abspielt, zu schützen. Das ist es, warum die ihn so lieben und sich die Lektüre auch für Erwachsene lohnt. Der warme Erzählton trägt seinen Teil dazu bei.

 

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Im Staatsschauspiel Dresden: Der Idiot

Aufführungsbericht: Regisseur Matthias Hartmann hat Fjodor Dostojewskis rund 900 Seiten langen Roman auf die Bühne gebracht. Dabei galt es, ein Gewirr aus Handlungen und eine Vielzahl an Figuren in ein übersichtliches, bühnentaugliches Format zu gießen. Das gelingt unglaublich gut. Trotz Kürzungen bleibt es ein Mammutabend von etwa vier Stunden Länge, aber vollkommen ohne Längen. Dafür sorgt vor allem die kluge wie gewitzte Entscheidung, die erzählerische Form beizubehalten. Das bringt eine gute Portion Humor in den Stoff, der von den meisten Lesern als finster und pessimistisch empfunden wird.

Einzeln treten die Schauspieler zu Anfang auf die Bühne. Sie stellen die Figur vor, die sie verkörpern. Es reichen wenige Gesten (zum Beispiel das Zurückbeugen von Rosa Enskat als Generalin Jepantschina) oder Redewendungen (etwa die stete Betonung von Kilian Lands Gawrila Iwolgin, eine stattliche Erscheinung zu sein), um die Figuren eindrücklich zu charakterisieren. Dazu tragen auch die Kostüme von Tina Kloempken bei.

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In der Semperoper: Pagliacci und Enter!

Aufführungsbericht: Rasende Eifersucht treibt Canio zum Mord. Er ist der Direktor eines italienischen Wandertheaters und Darsteller des Pagliaccio. Diese Figur wird in dem Stück, das die Truppe aufführt, betrogen.

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@ Semperoper Dresden

Doch genauso geht es auch in der Realität zu: Canios junge Ehefrau Nedda liebt einen anderen. Tonio, ein Schauspieler aus der Truppe und verschmähter Anschmachter der Nedda, entdeckt den Ehebruch. Und verständigt Canio. Sein Leid, seine Kränkung und Verzweiflung vermittelt er in der ergreifenden Arie „Ridi, Pagliaccio – Lache, Bajazzo“. Die bevorstehende Theateraufführung scheint Nedda vor Canios Rache zu retten. Doch als sich im Stück Canios Schmach, der Ehebruch, wiederholt, ermordet er Nedda auf offener Bühne.

In der Inszenierung der Semperoper, die ab dem 16.01. zu sehen ist, bietet nicht nur die Musik Hochgenuss. Der größte Glanzpunkt der Inszenierung (neben der beachtlichen Leistung der Musiker) ist das Bühnenbild. Deshalb erhielt es bereits eine Auszeichnung. Dank der Organisation Enter! gab ein Probenbesuch einen Vorgeschmack auf den Pagliacci.

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„The Botticelli Renaissance“ in der Gemäldegalerie Berlin

Sandro Botticelli: Frauenprofil, bekannt als Simonetta Vespucci. Quelle: Gemäldegalerie. Staatliche Museen zu Berlin

Ausstellungsbericht: Berlin widmet dem italienischen Renaissancemaler Sandro Botticelli eine Sonderausstellung, die erlesene Originale mit modernen Bezugnahmen vereint. In drei großen Sälen entsteht eine dichte Schau. Sie gibt einen guten Einblick in das Werk des Italieners, doch ihr Konzept wendet sich eher an versierte Kunstkenner. Bis zum 24. Januar 2016 ist sie noch in Berlin zu sehen.

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