Im Berliner Ensemble: Die Juden

Aufführungsbericht: 1749 wars, als Gotthold Ephraim Lessing sein Lustspiel „Die Juden“ schrieb. Dreißig Jahre vor seinem „Nathan“ umreißt „Die Juden“ bereits die Themen und Einsichten, die auch das humanistische Alterswerk prägen.

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Boris Jacoby als idealer Jude und Hanna Jürgens als junge und überdrehte Baronentochter (c) Braunschweiger Zeitung

2003 hatte das Stück Premiere in der Inszenierung des legendären George Tabori. Schon die vielen Jahre, die sich die Inszenierung auf der Bühne hält, zeugen von ihrer Qualität und Beliebtheit.

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Staatsschauspiel Dresden: Alte Meister

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Albrecht Goette als Reger @Matthias Horn für Staatsschauspiel Dresden. Übrigens: Der gut platzierte Zuschauer sitzt direkt unter der Sixtinischen Madonna!

Aufführungsbericht: Alte Meister in den Alten Meistern. Klingt normal, ist aber ein außergewöhnliches Bonbon für den Theatergänger. Denn die Alten Meister, um die es geht, stammen von Thomas Bernhard und sind der Titel für seine über 300 Seiten lange Schimpftirade. Bernhard ist ein Meister des Ausschweifenden und der Wiederholung, und dementsprechend bleibt kaum Raum für Handlung. Kann das den richtigen Stoff für einen gelungenen Theaterabend geben?

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Spielbühne Freital: Gretchen 89ff.

Aufführungsbericht: Lutz Hübner verdanken wir zum Beispiel die Theaterkomödien „Die Firma dankt“ und „Frau Müller muss weg“. Letztgenanntes Stück über Eltern, die gegen die Lehrerin meutern, wurde verfilmt – unter anderem mit Anke Engelke. Mit „Gretchen 89ff.“ schrieb Hübner bereits 1997 eine Komödie über das Theater selbst. Eine Steilvorlage für die theaterbegeisterten Laien der Freitaler Spielbühne.

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Der Zuschauerraum der @Spielbühne Freital

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Staatsschauspiel Dresden: Die lebenden Toten

Okay so, oder noch mehr Blut? @Matthias Horn

Aufführungsbericht: Wie ungerecht ist die Welt! Insgesamt nur dreimal sollte das neue Stück von Theaterautor Christian Lollike in Dresden gezeigt werden. Durch einen Unfall im Ensemble entfiel eine Vorstellung: Auf die Premiere folgte die letzte Aufführung. Pures Glück, sich für den richtigen Termin entschieden zu haben. „Die lebenden Toten“ ist eine schamlose und bitterböse Verschmelzung von Horrorfilm-Farce und Flüchtlingskrise. Spektakulär in Szene gesetzt hat es Regisseur Tilmann Köhler.

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Jetzt günstig ins Staatsschauspiel kommen!

Kultiger Spaß: Frau Müller muss weg @Matthias Horn für Staatsschauspiel Dresden

Letzte Chance, günstiges Vergnügen: Wenn der Dresdner Intendant Wilfried Schulz nach Ende der Spielzeit nach Düsseldorf geht, nimmt er viele Künstler mit. Stücke, in denen diese Schauspieler auftreten, gehen deshalb aus dem Repertoire, und einige andere auch. Um den Abschiedsschmerz ein wenig zu mildern, zeigt das Staatsschauspiel diese Stücke zum vergünstigten Preis. Das heißt 10 Euro auf allen Plätzen. Wer schnell ist, sitzt für wenig Geld vorne im Parkett. Eine kleine Liste, was zu sehen sich wirklich lohnt.

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Patzer auf der Bühne

Lars Jung wendet sich zum Bühnensohn: „Sohn, was sagst du dazu?“ Der Bühnensohn wendet sich fröhlich zur Souffleuse: „Ja, Annie, was sag‘ ich denn dazu?“ – Wenn jemand so schlagfertig mit einem Texthänger umgeht wie dazumal Matthias Luckey, dann hat der Zuschauer jede Menge Vergnügen daran.

Tanzen sie noch oder fallen sie schon? @tanznetz.de

Patzer sind dem Darsteller unangenehm, egal ob es der Texthänger beim Schauspieler ist oder die ungewollte Distanzlosigkeit zum Bühnenboden beim Tänzer, kurz: Hinfallen. Das Publikum merkt es vielleicht gar nicht. Wenn ein Zuschauer es aber doch bemerkt, dann freut er sich meistens. Ich jedenfalls. Und zwar nicht aus Schadenfreude. Oder nur sehr selten.

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Im Staatsschauspiel Dresden: Nathan der Weise

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Sultan Saladin (Matthias Reichwald) nimmt Nathan (Philipp Lux) in die Zange @ David Baltzer

Aufführungsbericht: Nathan, der altbackene Schinken, den wir aus der Schule kennen. Das einzig Spannende an dem erschien den meisten doch der Ort des Geschehens: Jerusalem. Der Schmelztopf, in dem der biedere Christ nicht nur auf Juden, sondern gar noch auf exotische Muselmane traf. Genau dieses letzten Funkens Exotik entkleidet sich der Dresdner Nathan. Das Bühnenbild zeigt sich puristisch modern (zuständig dafür: Ansgar Prüwer-LeMieux). Nicht einmal an den Kostümen lässt sich ablesen, welche Figur woran glaubt. Da gibt es keine Schläfenlocken und keinen Turban. Aber gerade deshalb begeistert es so: Schon bei den Kostümen fängt die Zertrümmerung der Vorurteile an. Wenn der muslimische Herrscher auf einmal genauso angezogen ist wie ein großer Teil des Publikums. Das allein reicht, um ohne einschneidenden Eingriff in den Text das ganze Stück ins Heute zu setzen (Dramaturgin Felicitas Zürcher nahm nur kleine Kürzungen vor). Denn dieser Text hat auch heute noch Pfeffer im Arsch.

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