“Master Blaster” (2014)

Kurzfilm / Japan / Animation / 2014

© Sawako Kabuki, Standbild

© Sawako Kabuki, Standbild

Filmkritik: Bereits in ihren vorherigen Werken hat die japanische Regisseurin Sawako Kabuki, Jahrgang 1990, mit Werken wie “Anal Juke – Anal Juice” (2014) in ihrer analen Phase geschwelgt. Der knallbunte Animationskurzfilm “Master Blaster” erzählt mit Hilfe eines Liedes eine seltsame Geschichte über Liebe und Besitzansprüche. Dabei möchte die Frau am liebsten im Anus ihres Geliebten eintauchen. Der japanische Song von Shinsuke Sugahara erklärt die Leidenschaften der dargestellten Personen zum Teil und bringt ein bisschen Licht in das Wirrwarr. “Master Blaster” ist kein besonders tiefgründiger Film oder einer, der jeden Geschmack treffen wird. Aber er schafft es bestimmt, das ein oder andere Gemüt mit seinen vier Minuten Länge zu unterhalten und einen Ohrwurm zu verpassen.

Bewertung: 5/10

Der komplette Kurzfilm (Musik m. engl. UT):

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen: 28. Filmfest Dresden – Festival Katalog

“Peggy Guggenheim – Ein Leben für die Kunst” (2015)

© NFP

© NFP

Filmkritik: Die Dokumentation “Peggy Guggenheim – Ein Leben für die Kunst” (OT: “Peggy Guggenheim: Art Addict”, GB/IT/US, 2015) von der Regisseurin Lisa Immordino Vreeland erzählt anhand von Interviews, Tondokumenten, Bildern und Filmaufnahmen die Geschichte von Peggy Guggenheim und ihre Bedeutung für die Kunst.

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Hermann Kant: Der dritte Nagel (Erzählung)

Buchkritik: Hermann Kant ist gestorben. Er war einer der Großen der DDR-Literatur, aber einer, den nach der Wende kaum noch einer las. Nach seinem Tode kommt die Frage auf: Ist das berechtigt? Kann der wirklich weg, oder war der besser als sein Ruf? Eine Erzählung von ihm schafft in weniger als einer Stunde Klarheit.

„Der dritte Nagel“ heißt die Geschichte, die es als Großdruck-Taschenbuch auf 95 Seiten bringt (Ausgabe von 1989). Ein prima Probierhäppchen. Die Sprache ist einfach, alltäglich und erfordert keine übermäßige Leseanstrengung.

Berlin, X. Schriftstellerkongress, Hermann Kant

Hermann Kant 1987 @ Rainer Mittelstädt

Inhalt: Der Anfang verschlägt einem die Sprache. Weiterlesen

“Häschen in der Grube” von Isabel Kreitz (2014)

Buchkritik: Jedem ist der Titel des Buches “Häschen in der Grube” durch das gleichnamige Kinderlied (Text: Friedrich Fröbel) gewiss bekannt. Die deutsche Illustratorin Isabel Kreitz (*1967) deutet diese Zeile um und schickt ein schneeweißes Kaninchen in die Kanalisation. Mit Wagemut und Freude im Herzen begibt sich dieses auf eine Reise. Nachdem aber ein Ausgang nicht zu finden ist und die bedrohlichen Schatten immer weiter zunehmen, verliert das Häschen seinen Mut, bis es schlussendlich neue Gefährten findet, die dem Kleinen helfen können. Die Bilderbuch-Geschichte kommt selbstverständlich ganz ohne Worte aus. Mit wunderschönen gezeichneten Bildern – vor allem die Ausarbeitung der Gesichter und die Details können überzeugen – wird auf 32 Seiten die Geschichte des weißen Hasen mit vielen emotionalen Auslösern erzählt. Diese ist dabei spannend, schön und erheiternd. Hinzu kommen die wunderschön gestalteten Bilder. Dass die Illustratorin auch Graphic Novels und Comics zeichnet, erkennt man deutlich, trägt aber viel zum Charme des Buches bei. Das Bilderbuch “Häschen in der Grube” ist ein wunderschönes Werk für Kinder ab fünf Jahre, an dem nicht nur die Kleinen immer wieder Spaß haben werden und das somit definitiv ins heimische Bücherregal gehört.

Bewertung: 5/5

Altersfreigabe: ab ca. 5 Jahre

geschrieben von Doreen Matthei

Quelle: Homepage der Illustratorin

“Vor der Morgenröte” (2016)

 © X Verleih

© X Verleih

Filmkritik: Die deutsche Schauspielerin Maria Schrader (*1965) erzählt in ihrem zweiten Spielfilm, “Vor der Morgenröte” (AT: “Vor der Morgenröte – Stefan Zweig in Amerika”, AT/DE/FR, 2016), die Exilgeschichte des österreichischen Schriftstellers Stefan Zweig (1881-1942) als einzelne, für sich stehende Episoden. Sie schuf dabei ein Werk, das sich vor allem an Kenner und Fans von Zweig richtet.

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Lese-Reisen: Mosambik, Iran, Kuba – „Madgermanes“, „Persepolis“, „Havanna“

Bücherkritik: Sommerzeit ist Reisezeit. Das geht auch günstig mit Graphic Novels. Sie führen uns selbst in Länder, in die man sich kaum zu reisen traut, wie den Iran oder Mosambik.

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@Avant Verlag

Birgit Weyhe: Madgermanes

Als bester Comic des Jahres 2016 zeichnet der Max & Moritz Preis diese Graphic Novel aus. Besonders der Zeichenstil Birgit Weyhes erntet Lob. Das verwundert zuerst, denn die Zeichnungen erscheinen grob und beschränken sich auf drei Farben. Und doch: Hat der Leser sich etwas eingelesen und eingeschaut, bewundert er die Bildsprache, die afrikanische und sozialistische Bildtradition verbindet.

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Busch trifft Spitzweg

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@Reclam Verlag

 Buchkritik: Zwei Meister von Humor und Satire bringen dem Leser doppeltes Vergnügen. Carl Spitzweg, der romantische Karikaturist, trifft auf Wilhelm Busch. Über den muss man wirklich nichts mehr sagen. Aber: Geht die Rechnung auf?

Das tut sie, unter anderem auch deshalb, weil die beiden Meister sich ebenbürtig sind. Der Dichter Busch ist nicht nur Zeichner und deutscher Vater des Comics. In den letzten Jahren rückte verstärkt sein malerisches Werk in den Blick. Und Spitzweg? Dichtete. Gar nicht mal schlecht, und so witzig, dass mans beim ersten Lesen dem Busch zutrauen würde. Das einleitende Geleitwort des Herausgebers Karl-Heinz Hartmann wartet mit lustigen Beiläufigkeiten auf. Wer weiß schon, dass Friedrich Nietzsche den guten alten Jean Paul als „Verhängnis im Schlafrock“ beschimpfte? Weiterlesen